Die Narren sind los!

  • News vom 31.05.2017

    museum4punkt0 – Das immaterielle Kulturerbe der schwäbisch-alemannischen Fastnacht durch digitale Medien lebendig werden lassen – das haben sich im Rahmen des Projekts museum4punkt0 Michael Fuchs, Präsident des Fasnachtsmuseums Schloss Langenstein, und Roland Wehrle, Projektverantwortlicher für das Fastnachtsmuseum Narrenschopf Bad Dürrheim, vorgenommen.

    Michael Fuchs und Roland WehrleMichael Fuchs (li.), Präsident des Fasnachtsmuseums Schloss Langenstein, und Roland Wehrle, Projektverantwortlicher für das Fastnachtsmuseum Narrenschopf Bad Dürrheim © Fasnachtsmuseum Schloss Langenstein / Michael Fuchs und © Nachsorgeklinik Tannheim / Wilfried Dold, dold.media

    Welche Erwartungen haben Sie an museum4punkt0? 

    Michael Fuchs: Die Ausstellung im Fasnachtsmuseum Schloss Langenstein beruht teilweise auf einer 50 Jahre alten Konzeption. Die Konkurrenz durch Online-Medien, Fernsehen und multimediale Spektakel macht es immer schwieriger besonders jüngere Menschen zu einem Museumsbesuch zu animieren. Es stellt sich für uns deshalb die Frage, welche Rolle das Fasnachtsmuseum in seiner bestehenden Form heute noch spielen kann, und wie wir unser Verständnis vom Museum verändern müssen. Das durch die Bundesregierung geförderte Projekt museum4punkt0 gibt uns nun die Möglichkeit, neue innovative Anwendungsmöglichkeiten digitaler Technologien zu erproben,  um den Bedürfnissen der Besucher auch in Zukunft gerecht werden zu können. Ich gehe davon aus, dass unsere Besucher in drei Jahren mit dem immateriellen Kulturerbe der schwäbisch-alemannischen Fasnacht in einen neuen Dialog treten können. 

    Roland Wehrle: Auch wir erwarten, dass die Besucher  ihren Aufenthalt im Fastnachtsmuseum Narrenschopf Bad Dürrheim künftig neu erleben und in Erinnerung behalten werden. Mit Hilfe von VR-Brillen wollen wir Fastnachtsbräuche lebendig werden lassen  –  so, als wären die Besucher live dabei. Dieses Eintauchen in virtuelle Welten wird aber nicht nur einer Person, sondern mittels 180-Grad-Projektion auch ganzen Gruppen möglich sein. Ein weiteres Ziel: In einem neu geschaffenen virtuellen Museum teilen Fastnachtsfans ihre Erlebnisse der Welt mit. Durch die Möglichkeit, Erfahrungsberichte, Fotos und selbst gedrehte Filme aufzuspielen, kann ein eigenes soziales Netzwerk in Sachen Fastnacht gepflegt werden. Auch die Schätze unseres umfangreichen Archivs sollen digitalisiert und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Dadurch erhoffe ich mir deutlich mehr Interesse für die schwäbisch-alemannische Fastnacht. 

    Aus Ihrem heutigen Blickwinkel: Wie profitieren Museen und deren Besucher von digitalen Medien und der Digitalisierung?

    Roland Wehrle: Die digitalen Medien helfen dabei, die Attraktivität von Museen zu erhöhen und ihnen ein moderneres Image zu geben. So können Museen auch jüngere Besuchergruppen  ansprechen und möglicherweise auch ihre Besucherzahlen steigern. Auch Tourismus und Wirtschaft werden davon profitieren. In virtuellen Ausstellungen werden neue thematische Verknüpfungen geschaffen und es können sonst nicht sichtbare Objekte präsentiert werden. Außerdem erlaubt es die Digitalisierung, Objektinformationen dauerhaft zu erhalten und online nutzbar zu machen – für aktuelle und künftige Generationen. VR-Technologien bieten darüber hinaus völlig neue Dimensionen des Erlebens und Lernens. Soziale Plattformen ermöglichen es schließlich, Wissen und Erlebnisse zur Verfügung zu stellen und zu teilen. 

    Michael Fuchs: Ergänzend dazu führt eine bessere, selbstverständlich anonymisierte Datengewinnung über das Verhalten der Besucher zu einer optimierten Museumsarbeit. Das Angebot kann durch digitale Technologien stärker auf die tatsächlichen Bedürfnisse des Museumsbesuchers zugeschnitten werden. Durch die Personalisierung von Medien kann jeder einzelne Besucher ganz individuell angesprochen werden und individualisierte Vermittlungsangebote wahrnehmen. Gerade für kleine Museen wie das Fasnachtsmuseum Schloss Langenstein bietet das die Möglichkeit, auch ohne großen Personalaufwand in einen intensiven Austausch mit Besucherinnen und Besuchern zu treten.

    Da die Mittel nun bewilligt sind: Womit werden Sie beginnen?

    Michael Fuchs: Es sind in erste Linie die Botschaften, Ideen und kreative Angebote, die zu einem faszinierenden Museumsbesuch führen. Zunächst werden wir uns daher darauf konzentrieren, den digitalen und analogen Museumraums über eine Augmented Reality (AR) zu verschmelzen. Unsere Idee ist es derzeit, einen kostümierten Experten in den analogen Raum einzublenden. Nähert sich ein Besucher, blickt dieser Narr auf und tritt mit dem Besucher in eine Art Dialog. Interaktive AR-Spiele könnten außerdem psychosoziale, soziokulturelle beziehungsweise historisch-kulturwissenschaftliche Themen verständlich vermitteln und auf spielerische Weise kommunizieren. 

    Roland Wehrle: Zunächst werden wir die inhaltlichen, organisatorischen und vertraglichen Voraussetzungen für das Projekt schaffen, also das Was und das Wie der Umsetzung abklären. Dazu gehört, das inhaltliche Konzept auszuarbeiten, Arbeitsplätze einzurichten und Projektmitarbeiter einzustellen. Mit unserem Stammpersonal haben wir bereits erste Vorarbeiten für museum4punkt0 durchgeführt. Nach der Einarbeitung der neuen Mitarbeiter wollen wir die ersten Arbeitspakete angehen und vermutlich in wenigen Monaten mit der praktischen Umsetzung unserer Module starten. Außerdem steht die Erstellung des Mittelabrufplanes auf unserer to-do-Liste.

    Die Fragen stellte Julia Lerche.

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