SPK erforscht Herkunft von menschlichen Überresten aus Ost-Afrika – Gerda Henkel Stiftung fördert das Projekt

  • Pressemitteilung vom 02.08.2017

    Im Rahmen eines Pilotprojektes wird die SPK ab Anfang Oktober die Provenienz von rund tausend menschlichen Schädeln erforschen, die aus der ehemaligen Kolonie Deutsch-Ostafrika stammen. Das Projekt ist am Museum für Vor- und Frühgeschichte der Staatlichen Museen zu Berlin angesiedelt und wird von der Gerda Henkel Stiftung gefördert.

    Die Schädel gehören zu den anthropologischen Sammlungen, die die SPK 2011 in äußerst schlechtem Zustand von der Charité übernommen hat.  In den vergangenen Jahren wurden sie zunächst aufwändig gereinigt und konservatorisch gesichert. Um ihre Herkunft klären zu können, haben die zuständigen Wissenschaftler eine Forschungsdatenbank aufgebaut und erste Recherchen an ausländischen Archiven durchgeführt.

    Das zweijährige Projekt zur Aufarbeitung der Bestände aus dem ehemaligen Deutsch-Ostafrika soll als Vorbild auch für die zukünftige Erforschung der Provenienz der übrigen Human Remains dienen, die sich in der Obhut des Museums für Vor- und Frühgeschichte befinden. Dazu müssen die weltweit verstreuten Quellen zu dem Bestand erfasst und ausgewertet werden. Wissenschaftler verschiedener Fachgebiete werden in dem Projekt zusammenarbeiten, da sowohl ethnologische als auch anthropologische und kolonialgeschichtliche Kenntnisse nötig sind. Ziel ist es auch, ein internationales Netzwerk mit Wissenschaftlern aus den betroffenen Herkunftsländern (Tansania, Burundi, Rwanda) aufzubauen, um eine angemessene Erforschung zu gewährleisten.

    Hermann Parzinger, Präsident der SPK: „Um entscheiden zu können, wie wir weiter mit den menschlichen Überresten umgehen, müssen wir genau wissen, woher sie kommen, insbesondere ob sie aus einem Unrechtskontext stammen. Auch die Entscheidung über eine Restitution ist von den Forschungsergebnissen abhängig. Je nach Herkunft der Gebeine suchen wir die angemessenste Lösung. Wenn wir sie eindeutig einer Herkunftsgesellschaft zuordnen können, werden wir gemeinsam mit deren Vertretern über den Umgang beraten und die Rückgabe diskutieren.“

    Michael Hanssler, Vorsitzender des Vorstands der Gerda Henkel Stiftung, ergänzt: „Das Projekt bietet die große Chance, exemplarisch zu zeigen, wie man gemeinsam mit Wissenschaftlern der Zielregionen Rückgabekonzepte auf Augenhöhe erarbeitet. Aus Sicht der Stiftung wäre es wünschenswert, dass dieses Pilotprojekt Maßstäbe für einen – lange überfälligen und fairen – Dialog mit Partnern aus ehemaligen Kolonien über den künftigen Umgang mit deren kulturellem Erbe setzen wird.“

    Da die Primärdokumentation der vom Museum für Vor- und Frühgeschichte betreuten anthropologischen Sammlungen größtenteils nicht mehr existiert, müssen zu deren Erforschung zahlreiche andere Quellen herangezogen werden. Relevant sind zum Beispiel Aufzeichnungen von Sammlern, die sich teils in öffentlichen Archiven, teils auch in Privatbesitz im In- und Ausland befinden. Weil die Sammlungstätigkeit häufig in eine koloniale Infrastruktur eingebettet war, sind auch Akten wirtschaftlicher, militärischer oder kirchlicher Institutionen von Interesse. Ergänzende (nichtinvasive) anthropologische Untersuchungen an den Objekten selbst können ebenfalls wichtige Erkenntnisse zu Herkunft und Erwerbung liefern.

    Zum einem Pressetermin zum Projektstart wird gesondert eingeladen.

    Grundlage der SPK für den Umgang mit menschlichen Überresten sind die Richtlinien des Deutschen Museumsbundes und die eigenen dazu entwickelten Grundpositionen der SPK. Diese besagen, dass vor jeder anderen Forschung die Provenienzforschung steht.

    Die Gerda Henkel Stiftung wurde im Juni 1976 von Frau Lisa Maskell zum Gedenken an ihre Mutter Gerda Henkel als gemeinnützige Stiftung des privaten Rechts mit Sitz in Düsseldorf errichtet. Ausschließlicher Stiftungszweck ist die Förderung der Wissenschaft, vornehmlich auf dem Gebiet der Geisteswissenschaft. Sie hat bislang weltweit mehr als 6.600 Forschungsprojekte mit rund 160 Millionen Euro unterstützt. Seit 2015 setzt sich die Stiftung in ihrem Förderschwerpunkt „Patrimonies“ verstärkt für den Erhalt kulturellen Erbes vor allem in Krisenregionen ein. Im subsaharischen Afrika unterstützt sie unter anderem Projekte zur Bewahrung mündlicher Erinnerung in Kamerun und Gambia, zur Digitalisierung von Handschriften in Mali und Mauretanien und zur Erforschung archäologischer Zeugnisse in der DR Kongo und in Äthiopien.

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    Ingolf Kern

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