Eröffnung der Ausstellung „Die Victoria von Calvatone: Das Schicksal eines Meisterwerks“ in der Staatlichen Eremitage St. Petersburg

Pressemitteilung vom 06.12.2019

Am 7. Dezember 2019 beginnt die von der Staatlichen Eremitage St. Petersburg und den Staatlichen Museen zu Berlin organisierte Ausstellung „Die Victoria von Calvatone: Das Schicksal eines Meisterwerks“ im Saal „Römischer Hof“ der Eremitage.

Die Ausstellung markiert den Abschluss der Restaurierung der Statue der Victoria von Calvatone, einem herausragenden Kunstwerk aus römischer Zeit. Unter den Skulpturen dieser Zeit, die in Museen und Privatsammlungen zu finden sind, sind solche Werke aus vergoldeter Bronze äußerst selten.

Die über sechzig ausgestellten Werke zeigen unterschiedliche Interpretationen der auf dem Globus stehenden weiblichen Gottheit und veranschaulichen deren Darstellungsgeschichte von der Antike bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts, der Zeit der Entdeckung der Victoria von Calvatone.

Die Statue wurde 1836 in Norditalien, im Dorf Calvatone in der Lombardei gefunden. Kurz nach der Entdeckung der drei Fragmente des Werkes wurden diese zusammengefügt und öffentlich ausgestellt. Ausgehend von der Inschrift auf dem Globus, die vom Sieg der beiden Kaiser Marcus Aurelius und Lucius Verus über barbarische Stämme spricht, wurde die Skulptur in das 2. Jahrhundert n. Chr. datiert und als Siegesgöttin interpretiert. Nach dem Ort ihrer Entdeckung wurde sie „Victoria von Calvatone“ genannt.

Anfang der 1840er Jahre wurde die Statue nach Deutschland verkauft und nahm bald einen bedeutenden Platz unter den Meisterwerken der Skulpturensammlung der Königlich-Preußischen Museen (heute Antikensammlung der Staatlichen Museen zu Berlin) im Alten Museum ein. Deutsche Restauratoren ergänzten die ihrer Meinung nach fehlenden Teile: die linke Hand mit Palmenzweig, das linke Bein und die Flügel.

Bei der Ergänzung hatten die Experten ein Attribut, das Tierfell, nicht berücksichtigt. Dieses ist nicht typisch für die Siegesgöttin. Forschungen zur Ikonographie der Skulptur in der Eremitage führten zu der Idee, dass die antike Statue eine andere Göttin dargestellt haben könnte, möglicherweise die Jagdgöttin Diana. Unter den vielen Varianten ihrer Darstellung gab es ganz ähnliche, zum Beispiel Diana Lucifera („die Licht tragende“). Als Symbol für die Veränderung der Tageszeit wurde sie meist in langen Gewändern und vor allem auf einem Globus dargestellt.

Die als Siegesgöttin ergänzte Statue wurde im Alten Museum von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zum Zweiten Weltkrieg ausgestellt. Nach dem Fall Berlins wurde sie in die UdSSR verlagert und seit 1946 in der Eremitage aufbewahrt. In Berlin gilt sie als kriegsbedingt verlagertes deutsches Eigentum. In den 2000er Jahren wurden Unterlagen publiziert und unveröffentlichtes Aktenmaterial in Archiven entdeckt, die ihre Herkunft und Verlagerung dokumentieren. Danach konnte man sie gemeinsam mit deutschen Kollegen studieren.

Von 2016 bis 2019 wurden die komplexe Untersuchung des Denkmals und seine Restaurierung im Labor für die wissenschaftliche Restaurierung von Edelmetallen der Staatlichen Eremitage durchgeführt. Der Unterschied in der Zusammensetzung der originalen Metallteile der Skulptur und der in Deutschland ergänzten Teile wurde nachgewiesen. Auf der Innenseite des Flügels entdeckte man das Datum 1844, das es ermöglichte, die in Deutschland durchgeführten Restaurierungsarbeiten zu datieren. Die Untersuchung des Inneren der Statue zeigte, dass es keine Spuren von antiken Befestigungen oder Verstärkungen für Flügel im Inneren gab. Dies ist ein überzeugender Beweis für die These, dass die Statue in der Antike keine Flügel besaß.

Die Restaurierung des Denkmals in der Staatlichen Eremitage erfolgte nach dem Prinzip der geringstmöglichen Beeinträchtigung des seit dem 19. Jahrhundert bekannten Aussehens der Victoria von Calvatone mit den ergänzten Flügeln. Nicht zuletzt wurde die Statue in dieser Form durch eine Reihe von Kopien in Italien, Deutschland und Russland bekannt.

Die Kuratoren der Ausstellung sind: Anna Aponasenko, stellvertretende Leiterin der Abteilung für wissenschaftliche Dokumentation der Staatlichen Eremitage; Anna Vilenskaya, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Abteilung für westeuropäische bildende Kunst der Staatlichen Eremitage; Igor Malkiel, Leiter des Labors für wissenschaftliche Restaurierung von Edelmetallen der Staatlichen Eremitage; Martin Maischberger, stellvertretender Direktor der Antikensammlung der Staatlichen Museen zu Berlin.

Die Restaurierung wurde von I. K. Malkiel, Leiter des Labors für wissenschaftliche Restaurierung von Edelmetallen der Abteilung für wissenschaftliche Restaurierung und Konservierung der Staatlichen Eremitage (Leiterin: T. A. Baranova) durchgeführt. Die technische und technologische Forschung wurde in der Abteilung für wissenschaftliche und technische Expertise, im Labor für wissenschaftliche Restaurierung von Edelmetallen und im Labor für biologische Kontrolle und Schutz der Staatlichen Eremitage durchgeführt.

Der Verlag der Staatlichen Eremitage hat zu der Ausstellung einen wissenschaftlichen Katalog mit zahlreichen Abbildungen veröffentlicht, der demnächst auch in deutscher Übersetzung erscheinen wird. Enthalten sind auch Grußworte von Michail Piotrowski, Generaldirektor der Staatlichen Eremitage, und Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz - "Kunst gehört der ganzen Welt". Autoren der Artikel: A. N. Aponasenko, M. V. Verevkin, A. V. V. Vilenskaya, I. K. Malkiel, M. Maischberger, U. Peltz, Y. L. Spiridonov, A. A. Trofimova.

Weitere Informationen: Dokumentation der Verluste. Bd. V.1: Antikensammlung: Skulpturen, Va-sen, Elfenbein und Knochen, Goldschmuck, Gemmen und Kameen / Staatliche Museen zu Berlin. Berlin 2005, S. 11-19, 21-30, 36-39

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