Fair und gerecht

21.11.2018Fair und gerecht

Über 350 Kunstwerke hat die Stiftung Preußischer Kulturbesitz in den letzten 20 Jahren restituiert. Eine Auswahl

Text: Ralf Hanselle

Spätmittelalterliches Alabasterrelief
Spätmittelalterliches Alabasterrelief © Christoph Mack

Alabasterrelief aus der Sammlung Harry Fuld jun.

Das spätmittelalterliche Alabasterrelief stammt aus der Kunstsammlung, die Harry Fuld jun. 1932 neben Anteilen am Familienunternehmen geerbt hatte. Die Firmenanteile verlor er bald darauf durch Arisierung. 1936 floh er nach England, seine Kunstsammlung lagerte er ein. Sie wurde beschlagnahmt und 1943 versteigert. Dabei erwarben die Staatlichen Museen zu Berlin das Relief. 2009 hat die SPK die Arbeit an Fulds Erbin, die Magen David Adom UK (MDAUK), zurückgegeben. Dank der Gesprächsbereitschaft der Erbin und des finanziellen Engagements der Ernst von Siemens Kunststiftung kann das Relief weiterhin als Dauerleihgabe im Bode-Museum ausgestellt werden.

Der Watzmann

Die Alpen kannte Caspar David Friedrich nur vom Hörensagen. Sein Gemälde „Der Watzmann“ schuf er 1824/1825 nach einer Aquarellstudie seines Schülers Johann August Heinrich. Im Jahr 1937 wurde das großformatige Werk von einem jüdischen Sammler an die Nationalgalerie verkauft. Mit dem Erlös finanzierte dieser die Flucht seiner Familie in die USA. 2002 restituierte die SPK das Werk, das jedoch dank des Entgegenkommens der Erbengemeinschaft und privater Unterstützung weiterhin in der Alten Nationalgalerie gezeigt werden kann: Die DekaBank kaufte das Bild und stellte es dem Museum als Dauerleihgabe zur Verfügung.

Caspar David Friedrich, „Der Watzmann“
Caspar David Friedrich, „Der Watzmann“ © Christoph Mack
Bücher der Potsdamer Freimaurerloge „Teutonia zur Weisheit“
Bücher der Potsdamer Freimaurerloge „Teutonia zur Weisheit“ © Christoph Mack

Bücher einer Potsdamer Freimaurerloge

Einst besaß die Potsdamer Freimaurerloge „Teutonia zur Weisheit“ eine der größten Freimaurerbibliotheken Deutschlands mit über 2000 Büchern. Doch ab 1934 musste die Loge unter dem Druck des NS-Regimes ihre Tätigkeit schrittweise einstellen. Im unmittelbaren Zusammenhang mit ihrer Selbstauflösung 1935 schickte ihr Liquidator die Literatur der Loge als Geschenk an die Preußische Staatsbibliothek. Bei der systematischen Suche nach NS-Raubgut in ihren Beständen stellte die Staatsbibliothek fest, dass sie über 384 Bände aus der ehemaligen Bibliothek der Loge besaß. 2016 restituierte die SPK diese Bände an die 1991 wiedergegründete Loge.

Sammlung Margarete Oppenheim

Margarete Oppenheim besaß eine der größten Kunstsammlungen Deutschlands. Zu dieser gehörten viele kunstgewerbliche Objekte, wie das abgebildete silberne Salzfass. 1935 wurde die Sammlung von den Erben von Frau Oppenheim versteigert. Die Museen halfen unentgeltlich bei der Vorbereitung der Auktion. Nicht klar ist, ob die Erben, die jüdisch waren, ohne die Herrschaft der NSDAP nicht einen besseren Zeitpunkt für die Auktion hätten wählen können und ob sie über den Erlös verfügen konnten. Vor diesem Hintergrund wurde ein Vergleich geschlossen, bei dem einige Objekte im Kunstgewerbemuseum der Staatlichen Museen zu Berlin blieben, der andere Teil restituiert wurde.

Silbernes Salzfass
Silbernes Salzfass © Christoph Mack

Ernst Ludwig Kirchner

Mehrmals konnten Werke von Ernst Ludwig Kirchner in den Sammlungen der SPK verbleiben, so etwa die „Frauen am Potsdamer Platz“ (1914) aus der Sammlung Glaser oder die abgebildete Radierung „Fehmarnhäuser mit großem Baum“ (1908) aus der Sammlung Eugen Moritz Buchthal. Er und seine Familie wurden als Juden von den Nationalsozialisten verfolgt und emigrierten nach London. 1936 lieferte Buchthal zahlreiche Werke aus seiner Sammlung bei der Berliner Galerie Nierendorf ein. Einige davon erwarb das Kupferstichkabinett. 2017 wurden sie an die Erben Buchthals zurückgegeben. Die „Fehmarnhäuser“ kaufte die SPK für das Kupferstichkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin zurück.

Ernst Ludwig Kirchner, „Fehmarnhäuser mit großem Baum“ (1908)
Ernst Ludwig Kirchner, „Fehmarnhäuser mit großem Baum“ (1908) © Christoph Mack
Edvard Munch, „Mädchen am Strand“
Edvard Munch, „Mädchen am Strand“ © Christoph Mack

Sammlung Curt Glaser

Der einstige Direktor der Kunstbibliothek, Professor Curt Glaser, wurde aufgrund seiner jüdischen Abstammung 1933 zwangspensioniert und emigrierte. Große Teile seiner Kunstsammlung ließ er 1933 versteigern, einige Werke konnte er mitnehmen, andere schenkte er den Museen. In Anerkennung der Verfolgung Glasers und in Würdigung seiner großen Verdienste für die Berliner Museen einigten sich seine Erben und die SPK 2012 auf eine „gerechte und faire Lösung“ im Sinne der Washingtoner Prinzipien: Einige Werke, darunter Munchs „Mädchen am Strand“, wurden restituiert, andere (z. B. der abgebildete Kirchner) verblieben mit Zustimmung der Erbengemeinschaft im Eigentum der Stiftung.

Sammlung Max Silberberg

Im August 1999 restituierte die SPK das „Selbstbildnis mit gelbem Hut“ (1874) von Hans von Marées und die Zeichnung „Olivenbäume vor dem Alpillengebirge“ von Vincent van Gogh an die Erbin des im KZ Theresienstadt ermordeten Max Silberberg. Es war die erste Restitution der SPK von NS-verfolgungsbedingt entzogenem Kulturgut. Die Recherchen waren aufgrund eines Hinweises der Jewish Claims Conference erfolgt. Die Werke waren 1935 im Auktionshaus Graupe versteigert und für die Museen erworben worden. Die SPK konnte den Marées im Jahr 2002 von der Erbin für die alte Nationalgalerie zurückerwerben.

Hans von Marées, „Selbstbildnis mit gelbem Hut“ (1874)
Hans von Marées, „Selbstbildnis mit gelbem Hut“ (1874) © Christoph Mack

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