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21.11.2018Die Suche geht weiter

20 Jahre Washingtoner Prinzipien: Gilbert Lupfer zieht eine Zwischenbilanz

Interview: Kristina Heizmann

Provenienzforschung im Kupferstichkabinett
Provenienzforschung im Kupferstichkabinett © SPK/photothek.net/Thomas Köhler
Unter dem Titel „20 Jahre Washingtoner Prinzipien: Wege in die Zukunft“ veranstaltet das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste in Kooperation mit der Kulturstiftung der Länder und der Stiftung Preußischer Kulturbesitz vom 26. bis 28. November eine Fachkonferenz im Berliner Haus der Kulturen der Welt. Fragen an Gilbert Lupfer, wissenschaftlicher Vorstand des Zentrums.

Welches Ziel hat die Konferenz?

20 Jahre nach der Washingtoner Konferenz, die die Aufklärung des NS-Raubes wieder auf die Tagesordnung gesetzt hatte, geht es um dreierlei: zum Ersten um eine Würdigung dieser fundamentalen Konferenz. Zum Zweiten um eine Bestandsaufnahme. Und zum Dritten um den Blick in die Zukunft: Wie können Methoden und Ergebnisse der Provenienzforschung den Besuchern von Museen und Bibliotheken nahegebracht werden? Wie kann Provenienzforschung jetzt, da es nur noch wenige Überlebende des Holocaust gibt, ihren Beitrag dazu leisten, die Erinnerung wach und lebendig zu halten? Wie können junge Menschen an dieses Thema herangeführt werden? Dazu arbeiten wir beispielsweise mit dem EUSTORY Next Generation Summit der Körber-Stiftung zusammen.
Gilbert Lupfer
Gilbert Lupfer © Deutsches Zentrum Kulturgutverluste/Viktoria Kühne

Gilbert Lupfer

Der Kunstwissenschaftler wurde in Stuttgart geboren und studierte Kunstgeschichte, Geschichte und Empirische Kulturwissenschaft in Tübingen und Berlin. 1995 erlangte er seine Promotion in Kunstgeschichte, 2002 seine Habilitation an der TU Dresden. Seit 2017 ist Lupfer Leiter der Abteilung Forschung und wissenschaftliche Kooperation der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden und wissenschaftlicher Vorstand der Stiftung Deutsches Zentrum Kulturgutverluste in Magdeburg

Gibt es nach der großen Welle des Interesses durch den Fall Gurlitt überhaupt noch offene Fragen und ungelöste Probleme in der Provenienzforschung?
Der Fall Gurlitt hat dem Thema große Aufmerksamkeit verschafft. Das führte zwar dazu, dass Infrastruktur und finanzielle Förderung entscheidend verstärkt wurden, heißt jedoch nicht, dass alles perfekt wäre. Viele Museen außerhalb des Kunstsektors beginnen gerade erst, sich zu engagieren. Ein Effekt des Falles Gurlitt war auch, dass private Sammlungen und der Kunsthandel in den Blick gerieten. Wir wünschen uns, dass sich auch private Sammler mit der Herkunft ihrer Schätze auseinandersetzen.
Welche Probleme müssen am dringendsten gelöst werden?

Viel diskutiert wird die Frage, wie man mit den Ergebnissen der Provenienzforschung umgehen kann. Was passiert, wenn die letzten Schritte nicht möglich sind, weil es an historischen Dokumenten fehlt? Der Fall Gurlitt hat gezeigt, wie häufig diese Konstellation auftritt. Die sogenannte Lücke-Problematik wird auch auf der Konferenz zur Sprache kommen. Das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste entwickelt derzeit eine Forschungsdatenbank, in die die Ergebnisse der vielen dezentralen Projekte einfließen werden. Das verbessert die Forschungsinfrastruktur, die die Basis für „gerechte und faire Lösungen“ bietet. Und es bleibt eine Frage, wie Provenienzforschung als dauerhafte Aufgabe verankert werden kann. Kurzfristige Projekte allein können diese Mammutaufgabe nicht lösen.

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