Der ewige General

Nachruf: Der ewige General

Ohne Wolf-Dieter Dube ist die Wiedervereinigung der Sammlungen eigentlich nicht denkbar – und doch müssen wir auf seine Erzählung verzichten.

Von Günther Schauerte

Prof. Dr. Wolf-Dieter Dube ist von uns gegangen. Der nüchterne Mecklenburger, geboren am 13. Juli 1934 in Schwerin, starb unerwartet am 9. September 2015. Auf Grund seines Geburtsjahrganges hat er das Naziregime, den Krieg und die Kriegsfolgen mit der deutschen Teilung erst in Ostdeutschland, dann Anfang der fünfziger Jahre im Westen miterlebt und miterlitten. Unter dem nationalsozialistischen und dem sozialistischen System hat seine Familie zu leiden gehabt, der frühe Tod des Vaters ist direkt darauf zurückzuführen. Dies gab ihm aber auch die notwendigen Einsichten und die Kraft, die Ereignisse und Folgen des 9. November 1989 für die Staatlichen Museen angemessen anzugehen.

Wolf-Dieter Dube, ehemals Generaldirektor der Staatlichen Museen zu Berlin
Wolf-Dieter Dube © Staatliche Museen zu Berlin, Zentralarchiv / Katja Worch

Das Studium der Kunstgeschichte, Klassischen Archäologie und Christlichen Archäologie schloss er 1963 an der Universität Göttingen mit der Promotion ab. Er leitete ab 1969 die Staatsgalerie Moderner Kunst in München, wurde 1976 zudem zum Stellvertretenden Generaldirektor der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen berufen.

1983 trat er sein Amt als Generaldirektor der Staatlichen Museen Preußischer Kulturbesitz an, berufen, um das Museumsprojekt Kulturforum zu vollenden. Keiner ahnte, welche Aufgaben sechs Jahre später auf den Generaldirektor warteten.

Seine Programmatik war, knapp formuliert, Traditionsbewusstsein gepaart mit Zukunftsorientierung. Dazu vermittelte er, wer der Chef war. Und schließlich: „Qualität, Qualität, Qualität“. Im Amt war er unbestechlich, ein gnadenloser Realist, mit einer gehörigen Portion Kaltblütigkeit. Das, was für andere reine Utopie gewesen wäre, war dadurch für ihn erreichbar. Dazu zählen Erwerbungen wie das Gemälde „Potsdamer Platz“ von Ernst Ludwig Kirchner. Dube ist unter anderem die Übernahme des Hamburger Bahnhofs zu verdanken, gleichermaßen die Gewinnung von Erich Marx, Klaus F. Naumann und deren großartiger Sammlungen.

Das eindrucksvollste Beispiel hierfür war zweifellos seine Initiative, Heinz Berggruen mit seiner Sammlung zurück in seine Vaterstadt Berlin zu holen, was den Anstoß gab für die Übersiedlung weiterer Sammlungen wie die von Helmut Newton oder Friedrich Christian Flick, um nur einige zu nennen. Das Herz von Wolf-Dieter Dube brannte aber für die Museumsarchitektur. Er konnte sich in die Organik, in die Funktions- und Wirkungsweise der Bauten denken, wie kein zweiter Baupläne begreifen.

Ist der Bau der Gemäldegalerie am Kulturforum wegen seiner Lage auch umstritten, in der Einschätzung der funktionalen Durchdringung, der Ausführungsqualität, des sensiblen Dialoges mit der Kunst ist der 1998 eingeweihte Bau nach heutigen Maßstäben nicht zu überbieten.

Der unerwartete Fall der Mauer, das Geschenk der deutschen Einheit mit den vielfältigen daraus resultierenden Aufgaben hätte keinen besseren Amtsinhaber treffen können als Wolf-Dieter Dube, den „General“. Er wurde mit einer unglaublichen Selbstverständlichkeit vom Architekten der Museen zum Architekten der Wiedervereinigung. Wolf-Dieter Dube war Museumsmann mit Herz und Verstand, er verkörperte konsequent eine ganzheitliche Auffassung vom Museum mit Kunsterwerb, Kulturerhalt, Forschung, Präsentation und Bildung und wusste dies zum Wohle seiner Einrichtung immer wieder umzusetzen. Damit gab er Orientierung in einer Zeit der großen Umwälzungen. Er war der richtige Mann am richtigen Ort.

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