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„Kompetenzzentrum Forschung und Information Musik“– Martina Rebmann

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Die Musikabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin verwahrt und erforscht eine der bedeutendsten Musiksammlungen weltweit – mit Autografen von Bach über Beethoven und Mozart – und das in den für Bibliotheken turbulenten Zeiten der Digitalen Transformation. Seit 2008 ist Martina Rebmann die Leiterin.

Was hat sich in der Staatsbibliothek zu Berlin in den letzten 10 Jahren geändert?

Die Digitalisierung hat die Bibliothekswelt grundlegend verändert, und das war natürlich auch in der Staatsbibliothek zu Berlin in den letzten 10 Jahren deutlich zu erkennen. Es ist ein großer Gewinn für alle, dass Inhalte und Daten heute über das Internet leichter zugänglich sind. Im Wissenschaftsbereich sind das natürlich auch Quellen für die Forschung, die kostenfrei und ortsunabhängig zugänglich werden. Doch nicht nur die Handschrift von Beethovens 9. Symphonie oder die der Zauberflöte von Mozart, die Autographen von Bachs musikalischen Werken, die zu etwa 80% in der Staatsbibliothek verwahrt werden, sind somit leichter zugänglich. Auch Quellen, die heute noch nicht so im Fokus stehen, im Zusammenhang mit anderen jedoch zu sprechen beginnen, können viel leichter zugänglich gemacht bzw. gefunden werden. Das ist eine faszinierende Entwicklung!

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Martina Rebmann, seit 2008 Leiterin der Musikabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin © SPK/photothek.net/Florian Gärtner

Auf welches Projekt sind Sie besonders stolz und warum?

2012 haben wir ein DFG-gefördertes Pilot-Projekt zur Tiefenerschließung von Musikhandschriften begonnen, das in diesem Sommer abgeschlossen sein wird. Mit dem Namen „KoFIM“ drückt es unser Ziel in der Musikabteilung aus: „Kompetenzzentrum Forschung und Information Musik“. Im Projekt haben wir zum Beispiel die handschriftlichen Noten von Luigi Cherubini, dessen Nachlass wir verwahren, genauer untersucht, um anhand der Schriftmerkmale und -stadien eine Chronologie herauszufinden.

Neben der Untersuchung von Schriftstadien spielten auch Wasserzeichen als datierende Merkmale eine besondere Rolle: wir haben diese bei vielen Tausenden Musikhandschriften unseres Bestandes überprüft und mit einer Thermografie-Kamera digital aufgenommen. Hier ist erstmals umfassend eine Datenbasis an Wasserzeichen von musikalischen Quellen entstanden, die anderen Institutionen für die Arbeit an ihren Musikbeständen als Vergleich dienen kann: somit können undatierte Musikhandschriften künftig besser erschlossen werden.

Auch die Provenienzen der Musikhandschriften haben wir besonders tief erforscht, um verloren gegangene Zusammenhänge oder die geographische Herkunft von Quellen im Bestand sichtbar zu machen. Andere Institutionen haben Interesse an unseren Methoden und Zielen und so sind im fachlichen Austausch viele wissenschaftliche Beziehungen geknüpft oder vertieft worden.

Womit sind Sie am schönsten gescheitert?

Zu meiner Tätigkeit gehört auch die Erwerbung von Sonderbeständen und dabei ist der persönliche Kontakt mit Händlern, Antiquaren, Auktionatoren (selten sind dies Frauen) ganz besonders wichtig. In den allerersten Wochen meiner Tätigkeit hier in Berlin habe ich daher viele Termine in diesem Zusammenhang gehabt, Antiquare kamen in die SBB, doch habe ich mich selbst natürlich auch auf den Weg gemacht, um diese Kollegen zu besuchen.

Bei einem Termin bei einem Antiquar hatte ich leider übersehen, dass es die angegebene Straße mehrfach in Berlin gab – man hätte es leicht an der Postleitzahl erkennen können. So bin ich als Neu-Berlinerin also in einem völlig falschen Bezirk gelandet und suchte die angegebene Adresse vergeblich. Als ich den Antiquar anrief, um ihm mein Missgeschick mitzuteilen, war ich so weit weg von seinen Geschäftsräumen, dass wir den Termin ein anderes Mal nachholen mussten.

Nach der Erwerbung der wichtigen Abschrift der Lautensuite BWV 996 von J. S. Bach, 2008
September 2014: Eröffnung der Wikinger-Ausstellung im Beisein von der Dänischen Königin Margarethe II. und dem damaligen Bundespräsident Joachim Gauck © SMB, Museum für Vor-Und Frühgeschichte/Achim Kleuker
Oktober 2014: Wissenschaftliches Kolloquium: "Schreiber- und Wasserzeichenforschung im digitalen Zeitalter: Zwischen wissenschaftlicher Spezialdisziplin und Catalog enrichment" im Simon Bolivar-Saal
Oktober 2014: Wissenschaftliches Kolloquium: "Schreiber- und Wasserzeichenforschung im digitalen Zeitalter: Zwischen wissenschaftlicher Spezialdisziplin und Catalog enrichment" im Simon Bolivar-Saal © SBB
Autograph "Die Zauberflöte" von Wolfgang Amadeus Mozart
Autograph "Die Zauberflöte" von Wolfgang Amadeus Mozart © SBB

Was hat Sie am meisten überrascht?

Dass die Staatsbibliothek – und zwar nicht nur meine Abteilung – so viele interessante Bestände hat, das war mit bewusst, schon während meines Studiums der Musikwissenschaft hatte ich die Musikabteilung der SBB bei Forschungsfragen benutzt. Dass meine Biographie mich dann nach Berlin führen würde, hatte ich mir jedoch nie vorstellen können – bis es dann so kam. In den ersten Monaten hier gab es so viel an Neuem zu entdecken, dass ich kaum Zeit hatte, mit Berlin zu „hadern“. Und irgendwann war es so, dass man im beruflichen, aber auch im privaten Bereich – im Konzert, bei Ausstellungen, auf der Straße – jemandem begegnete, den man kannte. Das war eine gute Erfahrung – und Berlin wurde dadurch gleich ein bisschen kleiner!

Wo sehen Sie die Staatsbibliothek 2028 – Was sollte in den nächsten 10 Jahren passieren?

Die Verfügbarmachung unserer Bestände fängt mit der digitalen Verzeichnung unserer Metadaten an – und hier sind wir momentan dabei, 1 Million Zettelkarten mit Noten, Büchern, Libretti und Tonträgern aus der Musikabteilung zu konvertieren, also online verfügbar zu machen. Dieses großartige Projekt wird mich in den nächsten 10 Jahren begleiten – ich freue mich sehr, wenn wir der Forschung im Internet in einigen Jahren unsere 500.000 Notendrucke, 50.000 Tonträger, 20.000 Libretti und nicht zuletzt die 120.000 Bücher und Zeitschriften der Musikabteilung online recherchierbar anbieten können.

Musikabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin

Die Musikabteilung verwahrt die größte Musiksammlung Deutschlands und eine der bedeutendsten weltweit. Sie umfasst Autographen bedeutender Komponisten sowie zahlreiche Nachlässe, Deposita und die Briefsammlung von Persönlichkeiten des Musiklebens. Zudem ist die Abteilung Teil nationaler Erschließungssprojekte und bietet eine große Sammlung an Fachliteratur sowie Dienstleistungen für die Wissenschaft.

Musikabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin


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