Was kommt ins Schloss?Roland Platz

31.07.2015Was kommt ins Schloss? Kuratoren des Humboldt Forums erzählen: Roland Platz

Roland Platz, Leiter der Sammlung Süd-/Südostasien des Ethnologischen Museums, über asiatische Minderheiten und das Streben nach Autonomie

Die Fragen stellte Stefan Müchler

Schultertuch der Ao Naga aus dem Nagaland
© Stiftung Preußischer Kulturbesitz / Ethnologisches Museum

Was zeigen Sie im Humboldt-Forum?

Roland Platz: Wir haben eine sehr bedeutende Sammlung von Objekten aus dem Land der Naga, einer Minderheit im nordöstlichen Indien. Der Großteil der Objekte stammt aus dem 19. Jahrhundert; in der Region selbst sind leider nur wenige ältere Gegenstände erhalten geblieben. Wir haben beispielsweise aus gefärbten Haaren gefertigten Schmuck und Textilien mit besonderen Mustern, die wir im Humboldt-Forum ästhetisch ansprechend präsentieren möchten. Thematisch in Bezug zum Nagaland werden wir Teile unserer wertvollen Sammlung der Bergvölker des sogenannten Goldenen Dreiecks, der Grenzregion von Burma, Laos und Nordthailand, zeigen.

Der Ausstellungsbereich wird aber auch einen faszinierenden Einblick in die Welt des asiatischen Theaters geben. Den Schwerpunkt bildet hier Indonesien mit seinen Schattenspielfiguren, den Wayang Kulit und auch den Wayang Golek, mit Textilien bekleidete Stabpuppen. Es ist die Welt der Ahnen, Götter und Geister, die hierbei auf die Bühne gebracht wird. Die Kunst des asiatischen Schattenspiel-, Masken- oder Marionettentheaters entspringt einer langen Tradition, entwickelt sich aber gleichzeitig fortwährend weiter.

Wie unterscheidet sich die neue Präsentation von der bisherigen Dahlemer Ausstellung?

In Dahlem ist bislang nur das Goldene Dreieck ausgestellt. Eine recht gelungene Ausstellung, die aber mit einem knappen Budget entstanden ist und bei der leider oftmals improvisiert werden musste. Im Humboldt-Forum werden die Besucherinnen und Besucher eine andere Form der Objektpräsentation erleben. Bei den Bergvölkern werden ansprechende Textilien dominieren, die durch eine besondere Ausleuchtung und Vitrinengestaltung besser als jetzt zur Geltung kommen.

Die Bereiche „Naga“ und „Asiatisches Theater“ sind derzeit in Dahlem gar nicht ausgestellt und bilden gewissermaßen ein Novum. Teilweise sind die für das Humboldt-Forum vorgesehenen Objekte noch nie gezeigt worden, andere waren zuletzt in lange zurückliegenden Ausstellungen zu sehen.

Was hat das alles mit unserem heutigen Leben zu tun?

Die aktuellen Bezüge spielen in beiden Bereichen eine sehr große Rolle. Das Thema „Kampf um Selbstbestimmung“ ist hochaktuell. Für mich bilden die über 100 Jahre alten Objekte der Naga eine Brücke, diese Kultur darzustellen und ein Interesse an den Minderheiten dieser Region zu wecken. Von den sie umgebenen Tieflandvölkern unterscheiden sich diese Kulturen sehr stark. Über Jahrhunderte konnten sie ihre Traditionen und Lebensweise erhalten und es ist sehr viel Widerstandsgeist da, diese gegen eine stark eingreifende Außenwelt zu bewahren. Ob das nun die indische Regierung im Fall der Naga ist, oder die Regierungen von Thailand, Myanmar und Laos, die Gesetze erlassen, die nicht auf die Bergvölker abgestimmt sind. Auch mit Hilfe von Medieneinsätzen möchte ich den Zustand ausgewählter Gesellschaften heute und ihre Probleme darstellen.

Was ist ihr Lieblingsobjekt und warum?

Spontan ist ein Bild von einem bestimmten Objekt in meinem Kopf entstanden; ein Schultertuch der Ao Naga aus dem Nagaland. Dieses wird quer über die Schulter getragen und war nur Kriegern vorbehalten, die selbst mal einen Kopf erbeutet haben. Die Kopfjagd war damals etwas sehr übliches in dieser Region und Voraussetzung dafür, als Krieger einen bestimmten Status zu erlangen. Das Design dieses Textils spricht mich sehr  an; es ist gewebt, in Blau gehalten und ist mit Kaurimuscheln versehen. Mich fasziniert die Ästhetik dieser Kulturen, die in ihren Dörfern lebten, Brandrodungsfeldbau betrieben und auch kein großes Repertoire an Technik hatten und die dennoch derartig kunstvolle Gegenstände herstellen konnten.

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