Was kommt ins Schloss? Alexander Hofmann

17.08.2015Was kommt ins Schloss? Kuratoren des Humboldt Forums erzählen: Alexander Hofmann

Prächtige Stellschirme, das Phänomen der Urbanität und ein erstaunlich vielseitiges Tongefäß - darüber sprach Stefan Müchler mit Alexander Hofmann, Kurator für Kunst aus Japan des Museums für Asiatische Kunst

Großes Aufbewahrungsgefäß, Bizen-Ware, Steinzeug mit natürlicher Ascheglasur, Momoyama-Zeit, spätes 16. Jahrhundert, Geschenk von Klaus F. Naumann
Großes Aufbewahrungsgefäß, Bizen-Ware, Steinzeug mit natürlicher Ascheglasur, Momoyama-Zeit, spätes 16. Jahrhundert, Geschenk von Klaus F. Naumann © Staatliche Museen zu Berlin, Museum für Asiatische Kunst / Jörg von Bruchhausen

Was zeigen Sie im Humboldt Forum?

Alexander Hofmann: Im Modul „Kunst aus Japan“ werden wir rund 200 Objekte der materiellen und visuellen Kultur sowie der Kunst aus Japan vom 7. Jahrhundert bis ins 20. Jahrhundert präsentieren. Mit etwas Glück werden wir vielleicht auch Objekte bis ins frühe 21. Jahrhundert zeigen können. Das sind im Wesentlichen Malereien, Graphiken, Lackobjekte aber auch Keramik. Die Japansammlung des Museums für Asiatische Kunst zählt zu den besten Europas. Wir freuen uns, im Humboldt Forum auch einige bislang noch nicht ausgestellte Objekte zeigen zu können.

Ein besonderer Bereich innerhalb der Japan-Galerien sind die Kulturen des Teewegs. Dazu wird es wie in Dahlem auch einen Teeraum geben; wir hoffen allerdings, dass dieser im Humboldt Forum in zeitgenössischer Gestalt sein wird. Wir freuen uns sehr darauf, denn dieser wird sich zum ersten Mal in einem Raum mit Fenstern und einer Aussicht befinden und  nicht in einem „white cube“, wie in Dahlem. In der Architektur Japans ist die Verbindung zwischen Innen- und Außenraum sehr wichtig.

Wie unterscheidet sich die neue Präsentation darüber hinausgehend von der bisherigen Dahlemer Ausstellung?

Die bisherigen Dahlemer Japan-Galerien sind vor allem nach Gattungen gegliedert, die in jeweils eigenen Räumen ausgestellt sind: Kunstgewerbe, Malerei, Graphik und Skulptur. Eine  Ausnahme bildet hier bislang nur die Sammlung Naumann. Im Humboldt Forum streben wir eine gänzlich andere Ordnung an. Wir planen, die Objekte  thematisch in Kombination mit chronologischen und regionalen Schwerpunkten zu präsentieren.

Die in jüngerer Zeit erworbenen Stellschirme werden wir erstmals in einem adäquaten Rahmen präsentieren können. Sie bekommen einen eigenen Raum und werden dort offen auf Podesten zu sehen sein. Wir hoffen, dass wir damit eine Anmutung ähnlich der in einem japanischen Repräsentationsbau erreichen. Dies wird im Hinblick auf die Architektur des Schlosses vielleicht eine ganz interessante transkulturelle Verbindung schaffen.

Was hat das alles mit unserem heutigen Leben zu tun?

In einer der thematischen Abteilungen werden wir beispielsweise der Frage nach dem Urbanismus und der Entstehung großer Städte nachgehen. Das ist ein Phänomen, das in Japan sehr viel früher begonnen hat als beispielsweise hier in Berlin. Tokio – damals unter den Namen Edo – hat schon im frühen 19. Jahrhundert die Millionen-Einwohner-Grenze überschritten. Das ist ein Thema, dem wir nachspüren werden. So hatte die extreme Verstädterung nicht nur soziale Folgen, sondern machte sich auch in der visuellen Kultur bemerkbar. Parallel zur dieser Entwicklung gab es eine Druckrevolution: Holzschnitte zum Beispiel wurden nun massenhaft von der wachsenden Stadtbevölkerung konsumiert. Das bedeutet auch, dass Bildthemen und Darstellungskonventionen, die zunächst in gemalten Einzelwerken entstanden sind, nun weite Verbreitung gefunden haben. Dies trug zur Popularisierung von Kultur, aber auch zur Kanonbildung in der Kunst bei. Derartige Entwicklungen möchten wir thematisieren.

Darüber hinaus wird es für die Besucherinnen und Besucher ganz direkte Möglichkeiten der Partizipation geben. Wir arbeiten beispielsweise mit lokalen Berliner Communities  zusammen, die Teezusammenkünfte organisieren.  Hier planen wir, regelmäßig Teezeremonien stattfinden zu lassen.

Was ist ihr Lieblingsobjekt und warum?

Eine besondere japanische Keramik wird man wahrscheinlich dauerhaft im Humboldt Forum betrachten können. Denn sie ist relativ groß und wird deshalb nur schwer ausgewechselt werden können. Mit einer Höhe von etwa 1,10 Meter ist sie die größte Keramik unserer Sammlung. Das Vorrats- oder Speichergefäß ist vom Durchmesser so groß, dass ich mich problemlos darin verstecken könnte – dies ist aber natürlich nicht der Hauptgrund, warum ich diese Keramik so sehr mag. Es ist die Vielfalt der Funktionen dieses Objekts.

Dieses Vorratsgefäß wurde wahrscheinlich genutzt, um Reis oder Flüssigkeiten zu speichern. Etwas in den Boden eingegraben hielt das Gefäß die Temperaturen. Gefäße wie dieses wurden auch unter den Bühnen des Nō-Theaters eingebaut, um als Resonanzraum zu dienen. Wenn der Schauspieler an einer besonders dramatischen Stelle aufstampfte, gab es einen wunderbaren akustischen Effekt. Zum Teil wurden solche Gefäße auch in sehr viel prosaischeren Funktion in den Sanitärbereichen von Burgbauten eingesetzt. Mein Lieblingsobjekt vereint also eine ganze Reihe von Funktionen: vom angewandten Objekt bis hin zu den Bereichen der darstellenden und bildenden Kunst.

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