Das Andere zieht ins Eigene - oder umgekehrt?

31.05.2018Das Andere zieht ins Eigene - oder umgekehrt?

Nicht nur die Pressevertreter und die Social Media-Beauftragten verfolgten am 28. Mai Verladung und Verbringung des Luf-Bootes mit Kameras: auch der Künstler Theo Eshetu filmte für sein von der Kulturstiftung des Bundes gefördertem Langzeitprojekt „The Moving Museum“. Darin begleitet er den Prozess des Umzugs der Dahlemer Sammlungen ins Humboldt Forum künstlerisch und dokumentarisch, unter anderem um Antworten auf die Frage zu finden, was das Projekt Humboldt Forum über die Zukunft unserer globalisierten Welt verrät. Theo Eshetu war bereits 2013 mit einer Installation bei einer Probebühne des Humboldt Lab vertreten. 2017 nutzte er mit „Atlas Fractured“ auf der documenta das ehemalige Besucherbanner der Dahlemer Museen als Leinwand für seine Videokunst. Wir haben ihn am Umzugsabend kurz gesprochen.

Die Fragen stellte Gesine Bahr

Theo Eshetu filmt den Auszug des Luf-Bootes
Theo Eshetu filmt den Auszug des Luf-Bootes © SPK / Friederike Schmidt

Herr Eshetu, Ihre Kunst beschäftigt sich immer wieder mit den Sammlungen des Ethnologischen Museums Berlin. Warum, was interessiert Sie daran so sehr?

Schwer zu sagen. Vielleicht ist es einfach die Tatsache, dass es ein Ethnologisches Museum ist, die mich interessiert. Ein Ethnologisches Museum ist  das Museum der anderen Kulturen. Ich finde diese Beziehung zwischen dieser Idee des Anderen und der des Eigenen spannend. Diese Zusammenhänge und Dynamiken interessieren mich. Schließlich ist beispielsweise das Humboldt Forum ein deutsches Projekt, ebenso wie es zu gleichen Zeit ein internationales Projekt ist. 

Theo Eshetu "Atlas Fractured“

Theo Eshetu on his work "Atlas Fractured" developed for documenta14

Der Umzug der Boote ist ja ein mediales Großereignis. Warum, glauben Sie, ist das so? Warum lieben die Berliner und Berlinerinnen ihre Boote so sehr?

Weil sie spektakuläre Objekte sind. Und man sieht ansonsten nicht so viele Objekte. Zum Teil gibt es heute abend so viel öffentliche Aufmerksamkeit, weil das Luf-Boot das erste Großobjekt ist, das umzieht, darum wird es zum Event. Es ist eine Art Signal, dass dieser Umzug jetzt tatsächlich stattfindet. Außerdem ist das Luf-Boot ein sehr großes Objekt und in gewisser Weise ein Symbol für das Ethnologische Museum in Dahlem. Ich denke, viele Berliner erinnern sich daran, wie sie als Kinder auf diesen Booten gespielt haben. Das verknüpft sie für viele Leute mit liebevollen Erinnerungen. Die habe ich übrigens auch, weil ich vor ein paar Jahren eine Installation im Bootsraum des Ethnologischen Museums gemacht habe. 

Sie meinen die Installation “Springer: Spiegelkugel” von 2013 im Rahmen des Humboldt Lab Dahlem, bei dem experimentell Ausstellungsformen für das Humboldt Forum erprobt wurden. Worum ging es dabei?

Es war ein einfaches Projekt: Ich habe eine Discokugel ins Museum gehängt. Diese wurde sehr gezielt im Raum der Südseeboote platziert, so dass die Lichtreflexe, die die Discokugel produzierte, wie jene Sterne aussahen, mit deren Hilfe die Seeleute navigieren und so neue Länder entdecken konnten. Es gab also diese Verbindung zwischen der Verspieltheit der Discokugel, die ja typisch für Berlin ist, und den Sternen, die zur Navigation benutzt wurden. 

Installationsansicht "Springer: Spiegelkugel" von Theo im Humboldt Lab Dahlem 2013
Installationsansicht "Springer: Spiegelkugel" von Theo im Humboldt Lab Dahlem 2013 © SPK / Jens Ziehe

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