Ausgezeichnetes Kulturerbe

08.06.2018Ausgezeichnetes Kulturerbe

Im Juni 2018 kommen in Berlin Vertreter aus ganz Europa zusammen, um sich zu fragen, was Kulturerhalt und kulturelles Erbe für die Gemeinschaft der Europäer bedeutet. Was auf der praktischen Ebene jetzt schon passiert, zeigen 30 Projekte aus 17 Ländern, die mit dem European Union Prize for Cultural Heritage / Europa Nostra Award 2018 ausgezeichnet werden.

Award-Gewinner 2018
Award-Gewinner 2018 © Europa Nostra

Was haben ein Weinberg aus Potsdam, ein Bildungsprogramm aus Italien, Textilien aus Georgien und eine 3D-Scanstraße gemeinsam? In jedem dieser Projekte wird in vorbildlicher Weise der Erhalt oder die Vermittlung von Kulturgut praktiziert. Aus diesem Grund werden auch in diesem Jahr wieder Projekte aus ganz Europa mit dem European Union Prize for Cultural Heritage ausgezeichnet. Der Preis wird an europäische Projekte verliehen, die das Kulturerbe ihres jeweiligen Landes in den Fokus rücken und einen vorbildhaften Umgang damit in den Kategorien Erhalt, Vermittlung, Forschung oder Engagierter zivilgesellschaftlicher Einsatz aufzeigen.  

Der European Union Prize for Cultural Heritage 2018

Der Preis hat zum Ziel in ganz Europa das Bewusstsein für Kulturerbe in der Gesellschaft zu stärken, auszuweiten und zu sensibilisieren. Aus diesem Grund werden unter den 30 Gewinnern, nicht nur sieben Projekte mit dem „Grand Prix“ ausgezeichnet. Beim „Public-Choice-Award“ konnten Bürgerinnen und Bürger aus ganz Europa mittels einer Online-Abstimmung bis zum ihr Lieblings-projekt wählen.

Der European Union Prize for Cultural Heritage blickt nun schon auf eine 16-jährige Geschichte zurückt: 2002 wurde der Preis von der Europäischen Kommission gelauncht und wird seitdem von Europa Nostra organisiert.

Am 22. Juni 2018 ist es dann soweit – bei der European Heritage Award Ceremony werden die sieben Grand-Prix-Gewinner und der Gewinner des Public-Choice-Awards bekannt gegeben. Die Preisverleihung findet im Rahmen des European Cultural Heritage Summits statt, der von der Stiftung Preußischer Kulturbesitz gemeinsam mit dem Deutschen Nationalkommitee für Denkmalschutz und Europa Nostra veranstaltet wird.

Dieses Jahr sind auch drei zukunftsweisende Projekte aus Deutschland unter den Gewinnern und hoffen auf den großen Preis.

Dr. Barners Sanatorium in Braunlage/Harz

Erholung wie vor hundert Jahren: Dr. Barners Sanatorium in Braunlage/Harz

In der Kategorie „Conservation“ wird das „Dr. Barner’s Sanatorium“ geehrt: Das Sanatorium in Braunlage zählt zu einem der eindruckvollsten Jugendstilbauten in ganz Deutschland. Nun wurde es von David Chipperfield Architects, dem Erbauer der James-Simon-Galerie auf der Museumsinsel, sorgsam und umfassend restauriert, sodass man beim Betreten in eine Welt von vor hundert Jahren zurückreist. Da das Gelände nach wie vor als Krankenhaus und Sanatorium für psychosomatisch erkrankte Menschen gebraucht wird, mussten die umfangreichen Restaurierungsarbeiten bei laufendem Betrieb stattfinden. Das Endergebnis kann sich sehen lassen.

Im Weinberg der Preußenkönige Flanieren: Der Winzerberg: Königlicher Weinberg in Sansouci, Potsdam

Eine Graswurzelbewegung par excellence: Im Herzen der preußischen Schloßanlage Park Sanssouci lag bis 2005 ein vergessener 300 Jahre alter Weinberg. Aus bürgerlicher Initiative wurde die Anlage innerhalb von zehn Jahren bis 2015 durch tausende Freiwillige wieder hergerichtet. Dabei wurde nicht nur versucht den Weinberg in seiner ursprünglichen Form wieder aufstehen zu lassen, sondern auch die originalen Anbaumethoden zu verwenden. Nun steht die historische Weinanlage sowohl für Potsdamer Bürger als auch Besucher offen.

Ein tolles Beispiel für bürgerliches Engagement.

Der Winzerberg: Königlicher Weinberg in Sanssouci, Potsdam

CultLab3D

Revolutionierung in der Digitalisierung von Kulturgütern: CultLab3D

Es ist eine Revolution im Museum: Die vom Fraunhofer IGD gemeinsam mit den Staatlichen Museen zu Berlin und dem Liebieghaus entwickelte Scanstraße CultLab3D ermöglicht erstmals, dass Sammlungsobjekte in nur wenigen Minuten dreidimensional erfasst und in authentische digitale Modelle umgerechnet werden können. Bisher waren 3D-Reproduktionstechniken von Museumsschätzen teuer und vor allem zeitaufwendig. Wie ökonomisch das neue Digitalisierungsverfahren ist, konnte auch die Stiftung Preußischer Kulturbesitz schon erproben: 2014 wurden in einem Testlauf Statuetten der Antikensammlung, Keilschrifttafeln des Vorderasiatischen Museums, Blasinstrumente der musikethnologischen Sammlung des Ethnologischen Museums und vieles mehr digitalisiert.

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