Naturstein, Lehmputzwände und eine gigantische hölzerne Dachkonstruktion

News vom 26.10.2020

Der Innenausbau des Humboldt Forums geht mit großen Schritten voran. Für die Gestaltung des Ausstellungssaals, der die chinesische Hofkunst des Museums für Asiatische Kunst der Staatlichen Museen zu Berlin zeigen wird, konnte dank einer großzügigen Förderung des Kuratoriums Preußischer Kulturbesitz Wang Shu gewonnen werden – einer der bedeutendsten zeitgenössischen Architekten Chinas. Ausstellungsgestalter Günter Krüger leitet den Innenausbau vor Ort.

Blick in einen großen Raum mit hölzerner Dachkonstruktion
Wang Shu-Saal © SPK / Stefan Müchler

Wodurch unterscheidet sich der Wang-Shu-Saal von den übrigen Ausstellungsbereichen der Museen im Humboldt Forum?

Günter Krüger: Der Raum ist als ein Gesamtkunstwerk anzusehen, der sich in seiner Gliederung, Materialität und Anmutung vollkommen von den ihn angrenzenden Ausstellungsräumen unterscheidet. Der Fußboden besteht aus einem schwarzen Naturstein und wird umgeben von lehmverputzten Wandflächen und einer in Edelstahl gefassten Nische, die ein Wandgemälde, die Buddhapredigt, aufnimmt. Auch die Vitrinen wurden speziell für dieses Gesamtkunstwerk entwickelt. Gestalterisch prägend für den Raum ist vor allen die Holzbalkendecke. Die Konstruktion ist angelehnt an die chinesische Pagodenform. Wang Shu verwendet diese Tragwerksform bei architektonischen Projekten oft als Tragkonstruktion der Dachhaut.

Was werden Besucherinnen und Besucher hier zukünftig sehen und erleben?

Neben der Qualität der einzelnen Objekte und der einzigartigen Gestaltung durch Wang Shu zeichnet sich die Rauminstallation durch Gegenwartsbezug, Multiperspektivität sowie einen starken Erlebnischarakter aus. Im Wang Shu-Raum sind neben den künstlerischen Installationen auch mehrere Medienstationen geplant.

Zentrale Objekte sind der chinesische Kaiserthron und der dazugehörige Paravent mit prächtigen Perlmutteinlagen auf dem Podest in der Raummitte, die riesige Buddhapredigt (543 x 1015 cm) an der Südwand und das Teehaus von Ai Weiwei. Darüber hinaus werden Schlachtenbilder auf Kupferplatten und Lackschnitzereien gezeigt, Offizierportraits vom chinesischen Hof und beeindruckende Beispiele der Seidenverarbeitung, wie die sogenannte Drachenrobe. In der Großvitrine an der Nordwand werden Albumblätter aus der Qing-Dynastie zu sehen sein.

Den Raum dominiert die gewaltige hölzerne Dachkonstruktion, die unter der Saaldecke zu schweben scheint. Wie ist diese entstanden?

Durch die verzapften Verbindungen in Kombination mit den diagonalen Verstrebungen wirkt diese Bauform sehr leicht, ist dabei aber auch extrem tragfähig. Die hier entwickelte Dachform wurde aus Pappelholz gefertigt und besteht aus 1300 Einzelteilen, die durch 1500 Verschraubungen miteinander verbunden wurden. Jedes der 11 Joche hat eine Gesamtlänge von 17 Metern bei 4 Metern Höhe. Die gesamte Konstruktion wiegt rund 16 Tonnen hängt an 176 Punkten mit je 4 Ankern an der Geschossdecke. Die Umsetzung wurde durch eine Thüringer Zimmerei ausgeführt, die ausschließlich Material aus der Region verarbeitet hat.

Die Fragen stellte Stefan Müchler.

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