Eine lebenslange Leidenschaft für die Wiener Schule

News vom 27.04.2020

Am 5. April feierte der Direktor des Staatlichen Instituts für Musikforschung, Thomas Ertelt, seinen 65. Geburtstag – Die Direktorin des Musikinstrumenten-Museums gratuliert nachträglich

Thomas Ertelt
© SIMPK / Foto: Joerg Joachim Riehle

Von Conny Sibylla Restle

Als zünftigen und leidenschaftlichen – „appassionato“ würde Ludwig van Beethoven wohl sagen – Musikwissenschaftler zeichnet Thomas Ertelt aus, dass er in Themen der Musiktheorie ebenso bewandert ist wie in philologischen Fragestellungen, und dass er auf historische Details genauso versessen ist, wie er sich von neuartigen Klängen und Klanggebilden überraschen und begeistern lässt. 

Seine Promotion über „Alban Bergs Lulu. Quellenstudien und Beiträge zur Analyse“ (1989, im Druck erschienen 1993) stellte bereits die wesentlichen Komponenten seiner musikwissenschaftlichen  Forschertätigkeit in den Vordergrund: das akribisch genaue Lesen, das Analysieren und das Interpretieren von musikalischen Quellen. Thomas Ertelts große Leidenschaft für Komponisten und Werke der Wiener Schule, die in der Donaumetropole zu Beginn des 20. Jahrhunderts durch Arnold Schönberg begründet wurde, führte dazu, dass er mit dem Rüstzeug einer umfassenden humanistischen Gymnasialausbildung aus Oberschwaben nach Berlin kam, um bei Rudolf Stephan, dem Nestor der Forschung zur Wiener Schule zu studieren. Ein Volontariat am Staatlichen Institut für Musikforschung (SIM) als wissenschaftlicher Institutsassistent ermöglichte ihm Ende der 1980er Jahre erste Einblicke in die vielfältigen wissenschaftlichen, editorischen und organisatorischen Aufgaben der auf 15 Bände angewachsenen Geschichte der Musiktheorie. Ertelt gefiel diese Art musikwissenschaftlicher Forschungstätigkeit. Bereits 1992 übernahm er die Leitung der Abteilung II des SIM und fungierte neben Frieder Zaminer, seinem Vorgänger in diesem Amt, als Mitherausgeber der „Geschichte der Musiktheorie“. 

Das immer wieder kritische Hinterfragen von Forschungsergebnissen, das systematische Weiterentwickeln von Ideen und ersten Forschungsansätzen, gleichzeitig aber auch das Interesse weit über den Tellerrand hinaus befähigte ihn, an die Spitze des Instituts zu treten. Thomas Ertelt bewies, warum das bislang oft nur in Forscherkreisen bekannte Staatliche Institut für Musikforschung mit dem Musikinstrumenten-Museum das größte außeruniversitäre Forschungszentrum für Musikwissenschaft in Deutschland ist. Beharrlich und mit sicherer Hand formte er die kleinste Einrichtung der Stiftung Preußischer Kulturbesitz ab 1994 als kommissarischer Leiter und ab 2001 als Direktor und machte sie fit für die Anforderungen an eine Forschungseinrichtung im 21. Jahrhundert.

Als 2018 die Strukturevaluation der SPK und all ihrer Einrichtungen durch den Wissenschaftsrat an Fahrt aufnahm, stellte sich Thomas Ertelt mit seinem Können und seiner Erfahrung dieser Herausforderung. Sicherlich hatte er sich für seine letzten Jahre im Dienst als „preußischer“ Beamter mehr Zeit für seine Forschungs- und Editionstätigkeit gewünscht. Aber so entstand für ihn nun die Möglichkeit, die bemerkenswerten Ergebnisse seiner Tätigkeit als Direktor des SIM selbst darzustellen: Das ambitionierte Editionsprojekt „Briefwechsel der Wiener Schule“; die Publikationsreihen „Geschichte der Musiktheorie“ und Studien zur Geschichte der Musiktheorie, „Klang und Begriff“ und als neue Reihe die „Geschichte der musikalischen Interpretation im 19. und 20. Jahrhundert“; die digitalen Angebote „BMS online“, „Der virtuelle Konzertsaal“ und „Digitaler Museumsguide“; und schließlich die gemeinsam mit der Staatsbibliothek zu Berlin und der Kunstbibliothek der Staatlichen Museen zu Berlin unter seiner Federführung verwirklichte Ausstellung „Busoni. Freiheit für die Tonkunst!“. Allein aus dieser lückenhaften Aufzählung ist ersichtlich, dass es Thomas Ertelt in seiner Funktion als Direktor des SIM immer um gemeinsame Akzente aus allen Abteilungen des Instituts geht, die harmonisch ein großes Ganzes ergeben. 

Die Autorin dieser Zeilen schätzt sich glücklich, dass sie seit 1994 an der Seite von Thomas Ertelt den Bereich des Musikinstrumenten-Museums am SIM in großer Eigenverantwortung gestalten kann. Auch dies ist ein vornehmer Wesenszug der Führungspersönlichkeit Thomas Ertelt: Bescheidenheit, Vertrauen-Schenken und im Sinne der Sache Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie Kolleginnen und Kollegen an geeigneter Stelle den Vortritt zu überlassen. Dafür – und für vieles andere: Ein herzlicher Dank, lieber Herr Ertelt, sowie herzlichen Glückwunsch (nachträglich) zum Geburtstag – ad multos annos!

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