Neues aus der Provenienzforschung

News vom 19.03.2020

Eine neue Stelle in der Staatsbibliothek, 6 zusätzliche dauerhafte Stellen im Zentralarchiv der Staatlichen Museen: So kann über Projekte hinaus solide und stetige Provenienzforschung in der SPK geleistet werden.

Zwei Personen mit Dokumenten vor einem Gemälde
© SPK / photothek.net / Florian Gärtner

Im Bereich der Provenienzforschung hat die SPK dank der Unterstützung der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien 2019 und 2020 einen erheblichen Stellenzuwachs erfahren. So kann diese Arbeit über einzelne Projekte hinaus verstetigt werden. Sechs Stellen sind dem Zentralarchiv der Staatlichen Museen zu Berlin zugeordnet, das mit nun insgesamt 7 Forscherinnen und Forschern die Provenienzforschung der Museen leitet und koordiniert. Drei von ihnen widmen sich schwerpunktmäßig der Forschung zu NS-Raubkunst. Vier Kollegen beforschen die Herkunft der Objekte im Ethnologischen Museum und im Museum für Asiatische Kunst.

Eine weitere Stelle für Provenienzforschung wurde bei der Staatsbibliothek zu Berlin eingerichtet. Dadurch kann die systematische Prüfung des historischen Druckschriftenbestandes und der Sondersammlungen der Staatsbibliothek auf NS-Raubgut und andere inkriminierte Zugänge langfristig fortgesetzt werden. Darüber hinaus wurde das Justiziariat der SPK mit einer Stelle verstärkt. Aus dem Haushalt der SPK wurde schließlich eine koordinierende Stelle geschaffen, die den Aufbau des geplanten Zentrums für Provenienzforschung der SPK unterstützen wird.

Geplante Publikationen

2020 soll die Projektstudie der Staatsbibliothek zur Rolle der Zentralstelle für wissenschaftliche Altbestände bei der Weiterverteilung von NS-Raubgut nach 1945 erscheinen (die Tiefenerschließung des Aktenbestandes steht bereits über das ProvenienzWiki zur Verfügung). Möglich wurde dieses Forschungsprojekt durch die Förderung über das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste. Das Museum für Vor- und Frühgeschichte plant, 2020 den Abschlussbericht des Projektes zur Erforschung von rund 1200 Schädeln aus der ehemaligen Kolonie Deutsch-Ostafrika vorstellen, das die Gerda Henkel Stiftung durch ihre Förderung ermöglicht hat.

Die neuen Wissenschaftler*innen und ihre Schwerpunkte

Das Provenienzforschungsteam Dahlem wird die Sammlungen des Ethnologischen Museums sowie des Museums für Asiatische Kunst in Kooperation mit Expert*innen aus den Herkunftsgesellschaften beforschen. Ein besonderer Schwerpunkt wird dabei auf Sammlungen aus deutschen Kolonien liegen.

Dr. des. Julia Binter, hat Kultur- und Sozialanthropologie sowie Theater-, Film- und Medienwissenschaft in Wien, Paris, Brüssel und Oxford studiert. 2017 kuratierte sie die Ausstellung „Der blinde Fleck“ an der Kunsthalle Bremen. Am Ethnologischen Museum Berlin hat sie bisher das Kooperationsprojekt zu den historischen Sammlungen aus Namibia betreut.

Dr. Christine Howald, Historikerin, hat viele Jahre in Berlin, Paris und Peking zu Sammlungsgeschichte in verschiedenen Kontexten geforscht und anschließend an der Technischen Universität Berlin den Forschungsschwerpunkt TEAA-Tracing East Asian Art aufgebaut. Sie betreut nun die Provenienzforschung zu den Beständen aus Ost-, Südost- und Südasien am Museum für Asiatische Kunst sowie dem Ethnologischen Museum und damit zusammenhängende Kooperationsprojekte.

Ilja Labischinski, hat Altamerikanistik, Anthropologie und Geschichte der Amerikas in Bonn, Berlin und Madrid studiert und war als Koordinierender Kurator für das Ethnologisches Museum und das Museum für Asiatische Kunst im Humboldt Forum tätig. In diesem Rahmen kuratierte er ein kollaboratives Ausstellungsprojekt zu Francis La Flesche und erarbeitete die wissenschaftliche Grundlage für die Rückgabe von Objekten an die Chugach nach Alaska. Ein erster Schwerpunkt wird der Ausbau der Kooperation mit der Chugach Alaska Corporation sein sowie die Provienenzforschung an den menschlichen Überresten des Ethnologischen Museums.

Kristin Weber-Sinn, Studium der Afrikawissenschaften (Schwerpunkt Geschichte) und Ethnologie in Köln und Berlin. Zusammen mit vier Historikerinnen hat sie den online verfügbaren Audioguide „Kolonialismus im Kasten?“ (2013) als kritische Intervention in der Dauerausstellung des DHM konzipiert. Sie forscht seit 2016 am Ethnologischen Museum zu den sensiblen Sammlungen aus dem heutigen Tansania und führt diese Arbeit in Kooperationsprojekten mit tansanischen Kolleg_innen des National Museum of Tanzania, der University of Dar es Salaam und der Humboldt-Universität zu Berlin (Forschung und Ausstellung) fort. 

Gemeinsam mit dem Historiker Dr. Sven Haase, der bereits seit 2016 als Provenienzforscher im Zentralarchiv tätig ist, werden sich zwei weitere Kolleginnen in den Museen schwerpunktmäßig der Forschung zu NS-Raubkunst sowie weiteren Themen wie etwa SBZ/DDR-Unrecht widmen

Dr. Laura Puritani, hat „Lettere classiche“ mit Schwerpunkt Archäologie und Altphilologie in Pavia (Italien) studiert. Sie arbeitete als wissenschaftliche Volontärin an der Museumslandschaft Hessen Kassel und als akademische Rätin auf Zeit am Archäologischen Seminar der Universität Marburg. Seit 2013 ist sie, zunächst im Rahmen von Projekten, als Provenienzforscherin an den Staatlichen Museen zu Berlin tätig und publizierte 2017 den Katalog zum Fremdbesitz der Antikensammlung. Aktuell bearbeitet sie u.a. die Erwerbungen von archäologischen Objekten in den SMB seit 1970. Die Staatlichen Museen haben hier deutschlandweit die erste Stelle für archäologische Provenienzforschung geschaffen.

Dr. Hanna Strzoda, Kunsthistorikerin, ist seit 2010 in Provenienzforschungsprojekten für die Staatlichen Museen zu Berlin tätig. Zunächst untersuchte sie in einer Kooperation der SPK mit dem Land Berlin die Bestände der West-Berliner „Galerie des 20. Jahrhunderts“. Anschließend widmete sie sich bis 2016 der „Sammlung der Zeichnungen“ am Kupferstichkabinett und erforscht aktuell die ehemaligen Kunstbestände der „Dresdner Bank“, die 1935 vom Preußischen Staat erworben und an die SMB überwiesen wurden. Zukünftig wird sie vor allem für die „large scale collections“ (Kupferstichkabinett, Kunstgewerbemuseum, Kunstbibliothek) der Museen tätig sein.  

Dr. Regine Dehnel, studierte Geschichte und Theorie der bildenden Künste in Leningrad (St. Petersburg). Sie arbeitete u.a. bei der Koordinierungsstelle für Kulturgutverluste Magdeburg, dem Deutsch-Russische Museumsdialog und der Universitätsbibliothek der Technischen Universität Berlin im Bereich der Dokumentation und Erforschung von Provenienzen. Im Auftrag der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek – Niedersächsische Landesbibliothek, gefördert von den Beauftragten des Bundes für Kultur und Medien organisierte sie drei der vier Hannoverschen Symposien zu NS-Raubgut in Bibliotheken. Seit 2018 arbeitet sie zur Rolle der Zentralstelle für wissenschaftliche Altbestände und leistet dabei Grundlagenforschung zum Bereich NS-Raubgut nach 1945. Zukünftig wird sie die noch nicht systematisch geprüften Sammlungen der Staatsbibliothek untersuchen.

Doris Antonides-Heidelmeyer arbeitet seit Mai 2016 für die Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Von 2017 bis 2019 war sie als Projektkoordinatorin des deutsch-amerikanischen Austauschprogramms für Provenienzforschung (PREP) innerhalb der Präsidialabteilung der SPK angestellt. Zuvor gehörte sie für kurze Zeit zum Team von Udo Kittelmann, Direktor der Nationalgalerie. Seit dem 1.3.2020 ist Doris Antonides-Heidelmeyer in stiftungsübergreifender Funktion mit der Koordination von Provenienzforschungsprojekten betraut. Ihr Arbeitsplatz ist für die nächsten zwei Jahre bei der Staatsbibliothek angesiedelt.

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