Kulturstiftung Dessau-Wörlitz erhält wertvolles Kunsthandwerk zurück, das ins Gotische Haus gehört

Pressemitteilung vom 25.05.2018

SPK-Präsident Hermann Parzinger übergibt in Wörlitz 21 Objekte, die sich als Fremdbesitz im Kunstgewerbemuseum der Staatlichen Museen zu Berlin befanden

Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz hat 21 kunsthandwerkliche Objekte an die Kulturstiftung Dessau-Wörlitz zurückgegeben, die sich bislang im Kunstgewerbemuseum der Staatlichen Museen zu Berlin befanden. Die Objekte wurden 1943 aus dem Gotischen Haus in Wörlitz in das Bergwerk Sovayhall bei Bernburg ausgelagert. Von dort wurden sie 1946 durch die Rote Armee in die Sowjetunion abtransportiert. Bei der Rückgabe von rund 1,5 Mio. Objekten an die DDR 1958 gelangten sie irrtümlich nach Ost-Berlin. Im dortigen Kunstgewerbemuseum erhielten sie teils temporäre Inventarnummern als Zeichen für ihre ungeklärte Herkunft, teils wurde irrtümlich angenommen, dass sie zum ehemaligen Bestand des Hohenzollernmuseums im Schlosses Monbijou gehörten. Im Zuge der Mitarbeit der Stiftung Preußischer Kulturbesitz am Deutsch-Russischen Museumsdialog konnte dieser Fremdbesitz nun der Kulturstiftung Dessau-Wörlitz zugeordnet und die Rückgabe der Objekte eingeleitet werden.

Das Ende des 18. Jh. erbaute Gotische Haus zählt zu den frühesten und besterhaltenen neogotischen Architekturen auf dem europäischen Kontinent. Neben der umfangreichen Sammlung von  Glasgemälden in den großen Fenstern schufen darin altdeutsche Gemälde sowie zahlreiche historische Bildnisse, Waffen und kunsthandwerkliche Objekte eine Atmosphäre, die den Geist des ausgehenden Mittelalters atmen sollte. Die Glasgemälde wurden schon 1946 wieder eingebaut und auch ein Teil der Gemälde wieder gezeigt. Im Zuge der großen Rückgabe der Sowjetunion 1958 kehrten auch die meisten Gemälde und Grafiken nach Wörlitz zurück. Allein die kunsthandwerklichen Objekte und die Möbel aus dem Gotischen Haus sowie das Porzellan aus dem Schloss Oranienbaum fehlten. 

Das Kunstgewerbemuseum der Staatlichen Museen zu Berlin konnte nun – wie beschrieben – 21 Objekte identifizieren, die nach Wörlitz gehören. Darunter sind beispielsweise ein geschnitztes Tablett aus dem Horn eines Elches, ein Briefbeschwerer aus weißem Stein, ein Krug aus Steinzeug (Schnelle) mit Zinndeckel, ein Korallenzweig, ein Porzellanwaschkrug mit Malerei im japanischen Stil, Glasgefäße, Vasen, Bernsteinfragmente und zwei gläserne Stiefel. 

SPK-Präsident Hermann Parzinger sagte bei der Übergabe: „Für viele Museen in Deutschland ist die Nachkriegszeit noch nicht zu Ende. Wir forschen, recherchieren und fahnden nach auseinandergerissenen Sammlungen. Der Deutsch-Russische Museumsdialog hilft uns, ganz neue Verbindungen herzustellen und die Puzzleteile zusammenzusetzen. Wenn wir Kriegsverluste anderer Museen in unseren Sammlungen identifizieren, ist es für die Stiftung Preußischer Kulturbesitz eine Selbstverständlichkeit, sie zurückzugeben, so wie das heute geschehen ist. Ich ahne, was es bedeutet, wenn solch lang vermisste Stücke wieder ins Gotische Haus zurückkehren. Das ist ein Tag der Freude für Wörlitz!“

Brigitte Mang, Vorstand und Direktorin der Kulturstiftung Dessau-Wörlitz, betonte: „Mein Dank gilt allen Institutionen und KollegInnen für die sehr gute Zusammenarbeit über so viele Jahre und Jahrzehnte. Diese hat zu den sehr beeindruckenden Ergebnissen geführt, die wir heute präsentieren dürfen. Die Rückgabe ist ein beeindruckendes Zeichen erfolgreicher Kunst- und Kulturpolitik."

Gunnar Schellenberger, Staatssekretär für Kultur des Landes Sachsen-Anhalt, erklärte: „Die nun erfolgte Rückgabe erfüllt mich mit großer Freude für das Kulturland Sachsen-Anhalt. Sie ist auch ein großer Erfolg des Deutsch-Russischen Museumsdialogs. Generell genießt die Provenienzforschung in Sachsen-Anhalt einen sehr hohen Stellenwert. Nicht ohne Grund hat das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste seinen Sitz in Magdeburg. Unser Anliegen ist es, auch im Kulturbereich einen wichtigen Beitrag zur Wiedergutmachung erlittenen Unrechts zu leisten.“

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