SPK restituiert zwei Predellentafeln aus der Sammlung Fuld

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Press release from 08/29/2019

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Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz hat zwei mittelalterliche Predellenta-feln aus den Sammlungen der Staatlichen Museen zu Berlin an die Erben des jüdischen Unternehmers Harry Fuld sen. restituiert. Die Museen hatten die beiden Tafeln 1940 über einen Kunsthändler erworben.

Die Tafeln, die bisher in der Gemäldegalerie ausgestellt waren, stammen von Giovanni di Paolo. Sie zeigen zwei Szenen aus dem Leben der heiligen Klara von Assisi (1194 – 1253): Die Einkleidung der Hl. Klara durch den Hl. Franziskus, und Die Hl. Klara rettet Schiffbrüchige, beide um 1455. Sie messen jeweils etwa 20x30 cm.

Hermann Parzinger, Präsident der SPK: „Schon 2009 haben wir ein spätmittelalterliches Alabasterrelief aus der Sammlung Fuld zurückgege-ben, 2012 auch zwei Stofffragmente. Ich bin froh, dass auch die Provenienz der beiden Predellentafeln, die wohl zu den wichtigsten Werken aus der Sammlung von Harry Fuld senior gehörten, geklärt werden und diese nun wieder an die Nachfahren zurückgegeben werden konnten.“

Harry Fuld sen. (3.2.1879 – 26.1.1932) war Inhaber der von ihm gegründeten Firma H. Fuld & Co, einem großen Unternehmen, das Telefone herstellte, und besaß eine umfangreiche und bedeutende Kunstsammlung. Der Frankfurter Unternehmer verstarb 1932 und hinterließ seine Witwe Lucie Mayer-Fuld sowie die beiden Söhne Harry Fuld jun. und Peter Harry Fuld. In seinem Testament hatte er verfügt, dass sein Nachlass erst 1950 an die Erben verteilt werden sollte. Da sowohl die Familie Fuld selbst als auch die Testamentsvollstrecker als Juden nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten Verfolgungsmaßnahmen ausgesetzt waren, konnte das Testament nicht ordnungsgemäß vollstreckt werden: der Nachlass wurde vorzeitig abgewickelt. Das Unternehmen wurde arisiert, die Söhne wanderten aus.

Die beiden Predellentafeln wurden 1940 von den Berliner Museen über den Kunsthändler Carl Bümming für das Kaiser-Friedrich-Museum angekauft. Für wen Bümming als Mittler tätig war, ist unbekannt. Es kann aber ausgeschlossen werden, dass der Verkauf der Predellentafeln ohne die Herrschaft der Nationalsozialisten so verlaufen wäre, wie dies tatsächlich geschehen ist. Daher hat sich die SPK zur Restitution im Sinne der Washingtoner Prinzipien von 1998 entschlossen.

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Die Familie Harry Fulds

Mit dem Beginn der Herrschaft der Nationalsozialisten wurde die Firma H. Fuld & Co. boykottiert, die jüdischen Mitinhaber zum Ausscheiden gezwungen. Harry Fuld jr. (1913 – 1963), der aus der ersten Ehe seines Vaters stammte, wurde dort ebenfalls nicht mehr eingestellt. Er arbeitete einige Jahre in Wien, bis er 1937 nach England emigrierte. Während des Krieges wurde er zeitweise als „enemy alien“ nach Australien deportiert. Harry Fuld jun. arbeitete ab 1943 in London. Der jüngere Sohn Peter (1921 – 1962) aus der zweiten Ehe blieb zunächst in Frankfurt, bis ihm die Schule das Ausscheiden nahelegte. 1937 schickte ihn seine Mutter in die Schweiz, später studierte er in London. Während des Krieges wurde er nach Kanada deportiert, wo er sein Studium nach Entlassung aus dem Lager beendete. Peter Harry Fuld kehrte 1945 nach Europa zurück, wo er in London und Frankfurt arbeitete. Lucie Mayer-Fuld, die Harry Fuld sen. 1926 als dritte Ehefrau geheiratet hatte, emigrierte 1939 nach Frankreich. Da nicht abschließend geklärt werden konnte, welchem seiner Erben Harry Fuld sen. die zwei nun zurückgegebenen Predellentafeln hinterlassen hatte, haben sich die SPK und die Nachfahren einvernehmlich darauf verständigt, die Werke an die gesamte Erbengemeinschaft zu restituieren.

Die Rückgaben an die Erbin von Harry Fuld jr. 2009 und 2012

Das Alabasterrelief mit Kreuztragung, das die SPK 2009 restituierte, konnte sie dank des finanziellen Engagements der Ernst von Siemens Kunststiftung für die Museen erwerben. Es zählt zu den bedeutendsten Passionsdarstellungen des Spätmittelalters und ist heute im Bode-Museum ausgestellt. Auch für die beiden sogenannten Zeugdrucke einigte sich die SPK mit der Erbin, der Magen David Adom UK, auf eine faire und gerechte Lösung, durch die sie im Kunstgewerbemuseum verblieben.

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