Let’s Talk about Type, Baby!

News from 05/28/2019

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Zwei SPK-Häuser tun sich zusammen, um über Typografie zu reden - und die Berliner Gestaltungsszene läuft ihnen die Bude ein. Christina Thomson und Michael Lailach von der Kunstbibliothek der Staatlichen Museen zu Berlin sowie Christian Mathieu von der Staatsbibliothek zu Berlin erzählen im Interview, wie es zur gemeinsamen Veranstaltungsreihe „Visuelle Systeme“ kam, was die Sammlungen ihrer Häuser ausmacht und wie gut sie sich ergänzen.

Christian Mathieu, Christina Thomson und Michael Lailach (v.l.)
© SPK / Jonas Dehn

Wie kam es zur neuen Veranstaltungsreihe?

Christian Mathieu: Wir haben seit 2014 an der Staatsbibliothek zu Berlin die an der Schnittstelle von Buch- und Literaturwissenschaften lokalisierte Veranstaltungsreihe „Materialität von Schriftlichkeit – Bibliothek und Forschung im Dialog“, die gemeinsam mit Angehörigen der Freien Universität, der Humboldt-Universität sowie der Universität Potsdam gegründet wurde. Das Themenfeld der Materialität ist ja zurzeit in den Geistes- und Kulturwissenschaften sehr en vogue und so ist die Objekthaftigkeit von schrifttragenden Artefakten auch in der Literaturwissenschaft ein großes Thema. Die Reihe kann als voller Erfolg gelten, sind doch die Vorträge immer gut besucht. Mit der Zeit haben die Veranstaltungen auch immer mehr Mitglieder der Berliner Gestaltungsszene angezogen. Es gibt keine Stadt, die prozentual so viele Gestalter und Typografen hat wie Berlin – ein unglaubliches Reservoir an Interessierten. Und diese Gestaltenden arbeiten eben nicht nur schöpferisch, sondern viele von ihnen reflektieren ihre Arbeit auch wissenschaftlich. An dieser Schnittstelle von Wissenschaft und Praxis gibt es einen enormen Bedarf nach einem geeigneten Resonanzraum, in dem die Gestaltenden ihre Arbeit vorstellen können – hieraus erwuchs dann die Idee für eine eigene Reihe, die sich schwerpunktmäßig der Visualität widmet: Die neue Reihe „Visuelle Systeme – Interdisziplinäre Perspektiven auf Schrift und Typografie“ war geboren. Jetzt laufen uns die Interessierten buchstäblich die Bude ein, jeder Vortrag gebiert einen Folgevortrag.

Die „Visuellen Systeme“ werden von der Staatsbibliothek und der Kunstbibliothek der Staatlichen Museen zu Berlin gemeinsam veranstaltet. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?

CM: Als wir die neue Reihe mit der Gestaltungsszene machen wollten, war sofort der Gedanke klar, dieses Vorhaben zusammen mit der Kunstbibliothek zu realisieren. Die Bestände unserer beiden Häuser sind komplementär und ergänzen sich wirklich ganz trefflich. Mein Impuls an die Kunstbibliothek wurde dann auch direkt sehr offen aufgenommen und so kam die Kooperation zustande.

Hat die Kunstbibliothek auch so viel Kontakt zur Gestaltungsszene?

Christina Thomson: Wir gehören zu den Foren, wo sich die Gestalter in Berlin und darüber hinaus regelmäßig treffen. Junge Illustratoren und Grafikdesigner kommen zu uns, zu Ausstellungen oder zum Sichten der Sammlungen. Es gibt auch Kooperationen mit den Hochschulen, da kommen dann die Unterrichtenden zu uns…

Michael Lailach: … und bringen ihre Studenten mit. Wobei es da auch eine interessante Entwicklung gibt: Ich habe mal mit Studenten diskutiert, die sagten, sie brauchten diese analoge Welt nicht mehr, weil sie alle ihre gestalterischen Ideen im Internet fänden. Da müssen wir natürlich gegenarbeiten.

CT: Die Frage, was die zeitgenössische Gestaltung mit solchen Vorlagen, wie wir sie sammeln, heute noch anfangen kann, das interessiert uns im digitalen Zeitalter ganz besonders – und darum geht es ja auch bei unserer gemeinsamen Veranstaltungsreihe.

Was können Gestaltende in Staatsbibliothek und Kunstbibliothek finden? Was ist der Anknüpfungspunkt?

CT: Die „Materialität der Schriftlichkeit“ war der Ausgangspunkt für unsere neue Reihe, und in beiden Häusern zeigt sich die Wichtigkeit des Originals, weil nur dort das eigentliche Material, das Gefühl, die Haptik, sichtbar und greifbar wird. Gestaltung bewegt sich an der Schnittstelle zwischen Objekt und Inhalt – und genau dort bewegen wir uns: Wir können den Gestaltern mit unseren beiden Bibliotheken einen Riesenfundus an Objekten, eine riesige Originalsammlung bieten.

Was unterscheidet denn Ihre Sammlungen? Oder sammeln Sie das Gleiche?

ML: Eigentlich ist es erstaunlich, dass sich eine Staatsbibliothek und eine kleine Kunstbibliothek in einer Stiftung zusammenfinden, aber beide Bibliotheken haben einen ganz unterschiedlichen Sammlungsauftrag. Die Staatsbibliothek zu Berlin, die ehemalige Königliche Bibliothek, ist ja eine sogenannte Universalbibliothek – sie sammelt alles. Die Kunstbibliothek ist viel kleiner, viel später und viel bürgerlicher. Wir sind zusammen mit dem Kunstgewerbemuseum aus der Gewerbebewegung gekommen und hatten den ganz speziellen Auftrag, alles aus dem Bereich der angewandten Kunst zu sammeln – was später Gebrauchsgrafik, jetzt Grafikdesign oder visuelle Kommunikation genannt wird. Heute sind wir eine rein fachwissenschaftliche Bibliothek für Kunstgeschichte und verwandte Disziplinen mit verschiedenen Sondersammlungen wie z. B. Grafikdesign oder Buchkunst. Alles, was wir in der Kunstbibliothek sammeln, hat ein Ziel: Es geht immer wieder um die Frage der Gestaltung – seit 150 Jahren.

CM: In der Staatsbibliothek haben wir im Vergleich zu den umfassenden Beständen der Kunstbibliothek in diesem Bereich natürlich nur eine kleine Sammlung. Aber unsere umfänglichen Sondersammlungen geben der Kunstbibliothek gewissermaßen eine tiefere historische Dimension. Da zeigt die Stiftung wirklich, dass ein gemeinsames, konzertiertes Sammeln über Zeiten und Grenzen hinweg ganz großes Potenzial hat und wir uns wunderbar ergänzen.

Die Fragen stellte Jonas Dehn.

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