Insel

Luftaufnahme der Museumsinsel mit Bode-Museum im Vordergrund

Masterplan Museumsinsel

Die Museumsinsel als einzigartiges Ensemble einer Bildungslandschaft repräsentiert 100 Jahre Museumsarchitektur in der Mitte Berlins. Die Wiedervereinigung Deutschlands eröffnete die historisch einmalige Chance, die geteilten Sammlungen in Ost und West wieder zusammenzuführen. 1999 stellte die UNESCO die Museumsinsel als Weltkulturerbe unter ihren Schutz.


Für die Sanierung der Gebäude und die zeitgemäße Entwicklung des gesamten Museumsquartiers hat der Stiftungsrat 1999 einen Masterplan beschlossen. Seine Realisierung ist eines der ambitioniertesten Kulturprojekte zu Beginn des neuen Milleniums. In dem Medienraum "Museumsinsel Berlin - 2015 - Projektion Zukunft" im Pergamonmuseum können sich Besucher einen Eindruck von der zukünftigen Gestalt der Museumsinsel verschaffen.

3D-Modell der zukünftigen Museumsinsel / (C) SPK / ART+COM, 2008

Zwei Aspekte sind bei der Wiederherstellung der Museumsinsel von besonderer Bedeutung: Einerseits, den Charakter der historischen Ausstellungshäuser zu wahren, andererseits, sie zu einem zukunftsfähigen Museumskomplex zu entwickeln. Die Erwartungen des Publikums an die Wiederherstellung der Museumsinsel als einen symbolträchtigen Ort im Zentrum Berlins sind immens. Heute bereits über 3 Mio. Besuche jährlich, die sich nach Fertigstellung der Museen noch deutlich erhöhen werden, weisen aber auch darauf hin, wie notwendig die im Masterplan mit dem neuen Eingangsgebäude und der Archäologischen Promenade vorgesehene zusätzliche Infrastruktur ist.

Ein ausgeklügeltes Logistik-Konzept stellt während der Bauzeit sicher, dass das Publikum die reichen Schätze der Museen weiter besuchen kann: Nur 2 Häuser waren je gleichzeitig geschlossen, während in den 3 übrigen der reguläre Museumsbetrieb aufrecht erhalten blieb. Seit der Wiedereröffnung des Bode-Museums 2006 waren vier, und seit der Wiedereröffnung des Neuen Museums im Oktober 2009 (erstmals seit 1939) alle fünf Häuser wieder gleichzeitig geöffnet.

Am 2. Dezember 2001 wurde mit der feierlichen Wiedereröffnung der Alten Nationalgalerie ein erster glanzvoller Meilenstein bei der Wiederherstellung der Museumsinsel gesetzt. Die Generalsanierung des Stülerbaus nach Plänen von HG Merz konnte nach dreieinhalb Jahren unter Einhaltung des Kostenrahmens (inklusive Ersteinrichtungskosten 77 Mio. Euro) abgeschlossen werden. Das Haus beherbergt Kunst des 19. Jahrhunderts.

Das Bode-Museum wurde als zweites Haus im Oktober 2006 wieder eröffnet. Im Herbst 2005 war es nach fünfeinhalbjähriger Grundinstandsetzung schlüsselfertig an die Stiftung Preußischer Kulturbesitz übergeben worden. Grundlage für die Herrichtung des Ihne-Baus war die Entwurfsplanung der Projektgemeinschaft Heinz Tesar/Wien, Christoph Fischer/Berlin. Sie erfolgte unter besonderer Berücksichtigung des Denkmalschutzes, aber auch der technischen Anforderungen an ein modernes Ausstellungshaus und konnte im vereinbarten Zeit- und Kostenrahmen realisiert werden. Nach seiner Neueinrichtung beherbergt das Haus heute die Skulpturensammlung und das Museum für Byzantinische Kunst, ergänzt durch Werke der Gemäldegalerie, das Münzkabinett und die Kindergalerie.

Baubeginn für das Neue Museum war im Sommer 2003. Am 16. Oktober 2009 fand die Eröffnung im Beisein der Bundeskanzlerin statt. Bei dem Sanierungskonzept von David Chipperfield Architects hatte der Wiederaufbau unter Berücksichtigung der verschiedenen Erhaltungszustände des im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigten Baus Priorität. Dabei blieb die Denkmalgerechtigkeit im Sinne des UNESCO-Weltkulturerbes in vollem Umfang gewahrt. Das Neue Musem entwickelte sich während der Bauzeit auch zu einem Forschungsprojekt der Denkmalpflege. So wurden in Fachkolloquien neue Lösungsansätze, etwa bei Versalzung von Originalsubstanz und der Restaurierung von Wandmalereien, erörtert. Seit Oktober 2009 sind die Objekte der beteiligten Sammlungen (Ägyptisches Museum und Papyrussammlung, Museum für Vor- und Frühgeschichte, ergänzt durch Objekte der Antikensammlung) in dem Haus zu besichtigen . Auch die Büste der Nofretete hat dort ihren endgültigen Platz eingenommen.

Im Februar 2006 wurde die Vorplanungsphase für das Pergamonmuseum abgeschlossen. Mit einer einstimmigen Entscheidung der Vertreter des Bundes und des Landes Berlin sind die künftige Gestalt des Hauses, die Besucherführung, die Präsentationsweise der Sammlungen und der Kostenrahmen (351 Mio. Euro) festgelegt worden. Die wesentlichen Elemente bei dem Entwurf von O. M. Ungers sind die Schaffung von Ausstellungsmöglichkeiten für die Architekturexponate des Ägyptischen Museums und eines geschlossenen Rundgangs zu den antiken Weltarchitekturen auf der Hauptausstellungsebene mithilfe eines vierten Flügels. Dieser wird von dem neuen Empfangsgebäude, der James-Simon-Galerie, auf einer Ebene direkt betretbar sein. Die Lösung reduziert die Eingriffe in die historische Bausubstanz auf ein notwendiges Mindestmaß. Bei dem sich in dramatisch schlechtem Zustand befindenden Pergamonmuseum werden überdies fortwährend Sicherungsmaßnahmen durchgeführt, die im Extremfall, wie im Sommer 2003, zu einer zeitweisen Schließung des Hauses führen können. Die Grundinstandsetzung und Ergänzung des Pergamonmuseums werden derzeit planerisch und bautechnisch - dies durch Gesimssanierung und Fassadensicherung - vorbereitet. Angesichts der Größe und Komplexität des Bauprojekts wird bei der Realisierung in zwei Bauabschnitten vorgegangen werden. Beginnen sollen die Maßnahmen Ende 2012/Anfang 2013.
Auch alle fest im Pergamonmuseum integrierten Architekturexponate sind zu restaurieren. Nachdem die Arbeiten am Pergamonfries seit 2004 abgeschlossen sind, gilt dies noch für das Markttor von Milet, die Prozessionsstraße und das Ischtar-Tor, das Aleppo-Zimmer und die Mschatta-Fassade. Da die Restaurierungsmaßnahmen bei laufendem Betrieb stattfinden, müssen die Exponate während der Bauzeit gesichert werden, damit die jährlich knapp 1 Mio. Besucher gefahrlos das Museum besichtigen können.

Im Obergeschoss des Alten Museums wurde von 2005 bis Februar 2009 die Sammlung des Ägyptischen Museums und der Papyrussammlung gezeigt. Ermöglicht wurde der Umzug durch die großzügige Unterstützung des Kuratoriums Museumsinsel. Für den Besucherandrang wurden die Räume des Alten Museums in der Infrastruktur gestärkt und für die Neupräsentation der Sammlung umgebaut. Eine gute Grundlage bildeten dabei die bereits vorliegenden Untersuchungen zur Baugeschichte und die Entwurfsplanung des Büros Hilmer + Sattler und Albrecht zur späteren Gesamtsanierung und zum Umbau des Hauses. Seit 2007 ist bereits die Sanierung der Freitreppe abgeschlossen. Um bei der späteren Gesamtsanierung die Substanz der Kassettenausmalungen in der Rotunde des Museums nicht zu gefährden, wurde schon 2009 mit ihrer Restaurierung begonnen.

Die hohen Erwartungen des Publikums an die Wiederherstellung der Museumsinsel und die Besucherschlangen zeigen, wie notwendig die im Masterplan mit dem neuen Eingangsgebäude und der Archäologischen Promenade vorgesehene zusätzliche Infrastruktur ist.

Das neue Eingangsgebäude James-Simon-Galerie soll als zentrales Besucherzentrum entscheidende Servicefunktionen für die Museumsinsel übernehmen. Sein Foyer wird die großen Besuchermengen angemessen empfangen und zu den Highlights des Hauptrundgangs über die Museumsinsel leiten. Medieninstallationen, eine Buchhandlung und ein Café werden zu den Attraktionen zählen.Seit November 2006 sind dafür die Mittel in Höhe von 73 Millionen Euro vom Bund bereitgestellt. Im Juni 2007 stellte die Stiftung den Entwurf von David Chipperfield Architects der Öffentlichkeit vor.

Die Archäologische Promenade repräsentiert baulich das Konzept der Zusammenführung der archäologischen Sammlungen auf der Museumsinsel. Sie soll eine Verbindung zwischen Bode-Museum, Pergamonmuseum, Neuem und Altem Museum auf der Basisebene schaffen. Von all diesen Häusern betretbar, ist auch der Hauptrundgang im Pergamonmuseum schnell über sie erreichbar. In ihrer Abfolge von Räumen und Höfen stellt die Archäologische Promenade eine interdisziplinäre Themenachse dar, die von allen Museen auf der Insel bestückt wird. Dadurch bietet sie Antworten auf Fragen, die der Besucher übergreifend an die Kulturen der Antike stellt, beispielsweise zu Sprache und Schrift, Tod und Verklärung, oder der Kunst des Erinnerns.

Die Entwurfsplanung für die Gestaltung der Außenanlagen auf der Museumsinsel von den Büros Levin Monsigny und Conceptlicht ist abgeschlossen und wird im Zusammenhang mit der Fertigstellung der einzelnen Häuser schrittweise realisiert. Das Büro Polyform arbeitet seit 2003 als Mitglied der Planungsgruppe Museumsinsel an der konzeptionell-gestalterischen Entwicklung der Themenbereiche Corporate Design, Leit- und Informationssystem, Neue Medien und Baustellenkommunikation. Die im Mai 2007 begonnene Wiederherstellung des Kolonnadenhofs wird 2010 abgeschlossen sein; der Hof wird am 6. Juni 2010 wiedereröffnet.
Künftig wird es außerdem möglich sein, auch außerhalb der Museumsöffnungszeiten vom Kolonnadenhof und den Höfen des Neuen Museums über geöffnete Durchgänge in den Ehrenhof des Pergamonmuseums und von dort zu den Höfen des Bode-Museums zu gelangen, ohne wie bisher Straßenraum jenseits der Insel betreten zu müssen.

Die so genannten Museumshöfe sind ein über 21.000 qm großes Gelände am Kupfergraben gegenüber der Museumsinsel, das derzeit zu einem großen Teil für die Baulogistik der Museumsinsel genutzt wird. Im Februar 2005 wurde ein städtebaulicher Ideenwettbewerb für das Areal ausgelobt, das künftig zum entscheidenden Scharnier zwischen Museumsinsel, Humboldt Universität, Staatsbibliothek und Historischem Museum werden soll. Dabei wurden die Potenziale des ehemaligen Kasernengeländes für die geplante Nutzung für ein wissenschaftlich-restauratorisches Kompetenzzentrum der Staatlichen Museen zu Berlin sowie für den Neubau eines Galeriegebäudes untersucht. Der erste Preis ging 2005 an Auer&Weber + Partner, Stuttgart / München.
Das Kompetenzzentrum auf den Museumshöfen soll bis 2012 fertiggestellt sein. Nach dem Entwurf von Harris&Kurrle wird ein Neubau mit einer Hauptnutzfläche von 6.800 qm entstehen, in dem die wissenschaftliche Verwaltung des Museums für Vor- und Frühgeschichte sowie die Studiensammlungen der im zukünftigen Pergamonmuseum vertretenen Sammlungen untergebracht sein werden. Ende 2007 konnte bereits die wissenschaftliche Verwaltung des Ägyptischen Museums und des Museums für Islamische Kunst in den Altbau auf den Museumshöfen einziehen. Es entsteht zudem eine öffentliche Fachbibliothek für Archäologie.

3D-Modell:
www.museumsinsel-
berlin.de



Architekturführung: Die neue Museumsinsel
Ab dem 16. April 2011 informiert jeden Samstag eine Führung über den Masterplan Museumsinsel. Nähere Informationen finden sich im Veranstaltungskalender der SMB.

 
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